Imam ist ein arabischer Begriff mit sehr unterschiedlichen Bedeutungen. Im Koran hat er die Bedeutung von „Vorsteher, Vorbild, Richtschnur, Anführer“. In der klassisch-islamischen Staatstheorie bezeichnet er das religiös-politische Oberhaupt der islamischen Gemeinschaft in Nachfolge des Propheten Mohammad. Daneben wird auch der Vorbeter beim Ritualgebet Imam genannt. Schließlich wird der Begriff als Ehrentitel für herausragende muslimische Gelehrte und Persönlichkeiten verwendet. – Wikipedia

In Österreich sind Imame in ihrer Gemeinde häufig mit Situationen konfrontiert, für die sie weder theologisch noch praktisch gerüstet sind. Daher können sie nur einen eingeschränkten Beitrag zur gesellschaftlichen Integration ihrer Gläubigen leisten.

Das zeigt Ednan Aslan von der Universität Wien in einem Beitrag des Uni-MedienportalsEr hat mit seinem Team im Rahmen einer Studie untersucht, mit welchen Herausforderungen Imame in Österreich konfrontiert sind.

Woher sie kommen und was sie machen

Dieses Forschungsdefizit haben Ednan Aslan, Evrim Erşan Akkılıç und Jonas Kolb vom Institut für Islamische Studien begonnen, im Zuge ihrer dreijährigen empirischen Forschungsarbeit zu beheben: Im Fokus der WissenschafterInnen standen die Situation und die Tätigkeiten von Imamen in Österreich. Analysiert werden im Rahmen von detaillierten Falldarstellungen ihre jeweiligen biographischen Hintergründe, ihre Migrationsgeschichten, ihre religiöse Ausbildung, ihre Werte- und Normvorstellungen sowie ihre Bildungs- und Erziehungsideale.

Im Zuge der empirischen Erhebung wurden österreichweit in insgesamt 43 Moscheevereine qualitative Leitfadeninterviews mit den dort tätigen Imamen geführt. Bei den Moscheevereinen handelt es sich um Einrichtungen, die von türkischen, arabischen, albanischen, bosnischen, pakistanischen, kurdischen, mazedonischen, bangladeschischen sowie iranischen Gemeinschaften getragen und besucht werden. Die Auswahl erfolgte danach, dass die Variationsbreite der ethnischen Hintergründe der Moscheevereine abgebildet wird. Befragt wurden dabei Imame, die für diverse Dachverbände tätig sind. Durchgeführt wurden empirische Erhebungen in den sechs Bundesländern Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Vorarlberg.

Die vier Imam-Typen

Im Zuge der Analyse des empirischen Datenmaterials wurden wesentliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten festgestellt. Darauf aufbauend wurde eine Typologie mit vier verschiedenen Gruppen von Imamen erstellt. Dabei handelt es sich um (1) Imame mit islah – Mission, die sich dadurch auszeichnen, dass sie die Moscheegemeinden in Österreich als religiös unwissend betrachten und sie es als die ihnen auferlegte Pflicht empfinden, die muslimischen Gläubigen auf den ‘richtigen Pfad’ oder zum ‘wahren Islam’ zurückzuführen.

Demgegenüber stehen (2) Imame als Brückenbauer, die neben ihren religiösen Aufgaben aktiv Einbindungsprozesse der Gemeindemitglieder in den österreichischen Aufnahmekontext anstoßen. Die dritte Gruppe von Imamen stellen die (3) Hüter der religiösen Identität und Tradition dar, deren Tätigkeiten darauf zielen, ihre Moscheevereine als Schutzorte der religiösen Identität und den damit verbundenen Traditionen zu bewahren. Als vierter Typ wurden (4) Imame mit begrenztem Handlungsraum identifiziert. Das zentrale Merkmal dieser Gruppe ist, dass sie auf Prozesse der Integration ihrer Gemeindemitglieder im Rahmen ihrer Tätigkeiten als Imame keinen Einfluss nehmen können. Die Gründe dafür sind unterschiedlich.

Rechtlicher Status soll verbessert werden

Die vier Typen unterscheiden sich insbesondere bezüglich der praktischen Tätigkeiten der Imame innerhalb ihrer Moscheegemeinden als auch hinsichtlich ihres Umgangs mit Fragen der Integration. Breiten Raum nimmt in der Darstellung der vier Typen jeweils die rechtliche Situation der Imame, deren Stellung in den Moscheevereinen sowie deren Tätigkeitsfeld in den Gemeinden ein.

Zusätzlich zu ihrem Rechtsstatus sind die Imame oftmals mit migrationsbedingten Herausforderungen und mit besonderen Erwartungen in ihrer Moscheegemeinde konfrontiert, für die sie weder durch ihre theologische Ausbildung noch durch ihre bisherigen praktischen Erfahrungen in ihren Heimatländern ausreichend gewappnet sind. Aus diesem Grund sind ihre Möglichkeiten, auf die integrativen Tätigkeiten ihrer Gemeindemitglieder konstruktiv einzuwirken, von vornherein limitiert.

Damit die in Österreich tätigen Imame besser auf ihre Herausforderungen und Aufgaben in den Moscheegemeinden vorbereitet werden, plädieren die AutorInnen der Studie für die Verbesserung des rechtlichen Status der Imame und für die Schaffung eines theologisch-islamischen Studiums in Österreich. (af)