Die Frage nach der Vereinbarkeit von Islam und Demokratie wird oft pauschal mit einer vermeintlich „anti-demokratische“ Natur des Islam beantwortet, die der heutigen Zeit und dem Verständnis von Demokratie nicht gerecht wird.

Derartige Annahmen sind stark verallgemeinert und ziehen sich wie ein Schleier über die gesamte Thematik. Die angenommene Unvereinbarkeit von Demokratie und Islam schränken den Realitätsbezug maßgeblich ein.

Interessanter wäre nämlich die Frage: ,,Unter welchen sozialen Bedingungen lassen sich Islam und Demokratie miteinander vereinbaren?“

Es ist einfach zu behaupten, dass der Islam nicht demokratiefähig ist und somit dem „westlich geprägten“ Zeitgeist nicht entspricht. Schwieriger ist es jedoch, den sich verändernden sozio-ökonomischen und politischen Kontext zu berücksichtigen, der einen großen Einfluss darauf hat, wie sich der Islam in verschiedenen Regionen der Welt zu verschiedenen Zeiten manifestiert.

Über den Islam wird ständig gesprochen und man versucht ihn immer wieder auf’s Neue zu definieren bzw. zu interpretieren, ihn zu kritisieren und wiederum zu verteidigen, sodass er immer mehr an Abstraktheit gewinnt. Um sich von der Annahme zu lösen, der Islam sei unvereinbar mit der Demokratie, sollte man sich vielmehr die Frage stellen: ,,Unter welchen sozialen Bedingungen lassen sich Islam und Demokratie miteinander vereinbaren?“

Das Streben nach Demokratie und Mitbestimmung ist in der muslimischen Bevölkerung sehr wohl präsent.

Dass sich muslimische Länder von einem anti-demokratischen Regime trotzdem nur schwer abwenden können, ist damit zu erklären, dass das soziale und wirtschaftliche System in muslimischen Gesellschaften nicht oder nur mäßig entwickelt ist. In fast allen muslimischen Ländern findet Industrialisierung kaum statt. Das schwächt sowohl direkt als auch indirekt die Sozialstruktur dieser Länder, die unentbehrlich für eine gut funktionierende Demokratie ist.

Doch wie soll sich der Islam der Demokratie nähern oder hat er es nicht bereits getan?

Man werfe einen Blick auf Indonesien: Ein Land, das noch vor einem Jahrzehnt unter einem autokratischen Regime funktionierte und heute mittlerweile einem demokratischen Wandel unterlaufen ist und bemerkenswerte Fortschritte im Bereich politischer und ziviler Rechte gemacht hat. Auch die Türkei hat respektable Erfolge in ihrer demokratischen Entwicklung erzielt, auch wenn sie in den letzten Jahren sehr wohl Rückschritte gemacht hat.

Ja, Islam und Demokratie lassen sich vereinbaren, doch müssen dafür die Bedingungen geschaffen werden, die sich in einer funktionierenden sozio-ökonomischen Struktur frei entfalten können.Nein, Islam und Demokratie ist kein Paradoxon. 

Quellen: http://www.pij.org/details.php?id=350#

Zum Thema Islam und Demokratie gibt es einen aktuellen Fachtext.

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