Die Frage nach dem sozialen Stellenwert islamischer Frauen ist omnipresent. Nicht selten wird eine islamische Frau als “graue Maus” gesehen, die nicht nur Opfer ihres gewalttätigen – wohlgemerkt muslimischen – Mannes ist, sondern auch Opfer eines “patriarchalen Glaubens”, zu dem sie sich bekennt.

Wie steht der Islam nun wirklich zur Rolle der Frau und welcher soziale Stellenwert wird Frauen beigemessen?

Dem Islam ist die revolutionäre Etablierung der Frauenrechte im 7. Jahrhundert zu verdanken, die seitdem nicht mehr weiterentwickelt sondern vielmehr rückentwickelt wurden. – M.A. Kramer (Institut für Islamische Studien der Universität Wien)

Im 7. Jahrhundert wurden Frauen in weiten Teilen der Welt als minderwertig betrachtet. Sie wurden nicht besser als Sklaven behandelt. Das zeigt auch die damals gängige Praxis, bei welcher neugeborene Mädchen lebendig begraben wurden. Diese abscheuliche Praxis wurden vom Propheten verboten. Mit dem Islam wurden Frauen zu anerkannten Rechtspersönlichkeiten. Die Gleichstellung und Gleichberechtigung von Mann und Frau ist in vielen Stellen im Qur’an zu finden, zum Beispiel hier:

Seht, Ich lasse kein Werk der Wirkenden unter euch verloren gehen, sei es von Mann oder Frau; die einen von euch sind von den anderen. – Qur’an 3:195

Einer meiner Lieblingsverse ist Vers 21 in Sure 30:

Und unter Seinen Wunder ist dies: Er erschafft für euch Partnerwesen aus eurer eigenen Art (Anm.: wörtl. „von euch selbst“), auf dass ihr ihnen zuneigen möget, und Er ruft Liebe und Zärtlichkeit zwischen euch hervor: hierin, siehe, sind fürwahr Botschaften für Leute, die denken!

Musliminnen glauben daran, dass Adam und Eva aus einer einzigen Seele erschaffen wurden. Beide waren gleichermaßen schuldig, als sie verbotenerweise vom dargebotenen Apfel aßen. Allah – Gott – vergab beiden.

Zu Zeiten des Propheten (s.a.w) genossen viele Frauen einen überaus hohen Status.

Khadidscha etwa, die erste Frau des Propheten, war der erste Mensch der zum Islam konvertierte. Sie wird deshalb auch als „Um il-Mu’minin“, als Mutter der Gläubigen bezeichnet.

Aisha, die dritte Frau des Propheten, gilt im Islam als die “Quelle des Wissens”. Sie war eine Gelehrte ihrer Zeit und ist bis heute noch mit ihren zahlreichen Ahadith (Überlieferungen) über die Lebens-und Handelsweise des Propheten (s.a.w) integraler Bestandteil der islamischen Lehre und Literatur.

Die Pflicht zur Wissenserlangung gilt für beide Geschlechter gleichermaßen. Der Prophet (s.a.w) bezeichnete es als „Pflicht für jeden Gläubigen und jede Gläubige nach Wissen zu streben.“ (Ibn Majah).

Wichtig ist zu erwähnen, dass zu Lebzeiten des Propheten (s.a.w) Frauen sehr oft einflussreiche Positionen einnahmen und die islamische Geschichte entscheidend geprägt haben, wenngleich dieser Trend nach dem Ableben des Propheten abnahm.

Bei aller oft berechtigter Kritik an muslimischen Ländern und deren Umgang mit Frauen wird gerne vergessen, dass etwa die Türkei, Bangladesch oder Pakistan weibliche Führerinnen bzw. Präsidentinnen gehabt haben.

Unterm Strich bedeutet dies, dass Frauen aus islamischer Sicht, mit jenen Rechten bestückt werden müssen, mit denen Gott sie schuf.

Das Recht als eigenständiges Individuum behandelt zu werden, das Recht, ihr Vermögen nach Lust und Laune zu verwalten und Verträge einzugehen, das Recht, nach freiem Willen zu heiraten. Frauen haben das Recht, nach Bildung zu streben und arbeiten zu gehen, wenn sie dies wünschen und dies nicht mit ihren ehelichen Pflichten kollidiert. Das selbe gilt übrigens auch für Männer, die ebenso ihren ehelichen Pflichten nachkommen müssen.

Ich persönlich erachte es als absurd die Selbstverständlichkeiten der Gleichberechtigung von Frauen im Islam hervorstreichen zu müssen. Frauen bilden doch das Fundament der islamischen Lehre.

Umso trauriger ist es, die gelebte Praxis in einigen muslimischen Länder zu sehen. Meines Erachtens täte den Herrschenden die Besinnung auf religiöse Gebote gut, anstatt auf kulturelle und traditionelle „Gesetze“ zu beharren.

Nun habe ich versucht, die islamische Sicht auf das Thema wiederzugeben und ergänzte dies mit meiner persönlichen Meinung.

Doch wie sieht es nun mit Musliminnen selbst aus? Wie und wo sehen sie ihren Stellenwert im Islam?

Dazu habe ich einige meiner Facebookkontakte angeschrieben. Ich wollte wissen, was die ersten Dinge bzw. Gedanken sind, die ihnen in den Sinn kommen, wenn ich  “Frau im Islam”… bzw “Der Islam und ich (als Frau)” sage.

Die Antworten waren überraschend und vielfältig.

frauen im islam

Eine ausführliche Behandlung des Themas “Frauen und Islam” findet ihr in einem ausführlichen Text von M.A. Kramer.

Link: Islam und Frauen (PDF)