Mode wird immer auch durch Tradition und Religion geprägt. Oder ist es umgekehrt? Nirgendwo kann man besser Kleidung und Stil im Zusammenhang mit Religion sehen, als in häufig genutzten sozialen Medien.

Ich durchstöbere meinen Instagram Account und stoße wie so oft auf Bloggerinnen, meistens junge, modebewusste Frauen, die täglich, ja sogar mehrmals pro Tag, ein Foto von ihrem selbst zusammengestellten Outfit auf ihrem Blog veröffentlichen. Dabei staune ich über die stilsichere Wahl der zumal sehr teuren Kleidungsstücke und gleichzeitig frage ich mich, wie ich meine Zeit bloß damit verschwenden kann, mir solche Seiten anzuschauen. Im nächsten Augenblick klicke ich auf einen der vielen hashtags, die mich zu anderen ähnlichen Seiten führen. Schnell lande ich auf einem anderen Account einer Bloggerin der etwas anderen Art.

#Hijab steht unter jedem ihrer hochgeladenen Fotos, auf denen die junge Muslimin ihren Umgang mit Mode selbstbewusst präsentiert. Was sie besonders macht und von den anderen Bloggerinnen unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie ein Kopftuch trägt. Erneut staune ich. Diesmal bin ich überrascht und zugleich erfreut darüber, das Kopftuch mal anders sehen und erleben zu dürfen. Ich denke an das „konventionelle“ Kopftuch, das für die meisten Musliminnen keineswegs als Teil ihres gesamten Outfits zählt oder modisch ins Szene gesetzt werden könnte oder gar sollte, sondern vielmehr nur Mittel zum Zweck ist, eben nur ein „Kopf-Tuch“.

Mein Blick zieht sich über die Kommentare von anderen Instagram-Nutzern, als ich bei einem Kommentar stehen bleibe und nachdenklich lese.

hijab

Unterschiedliche Fragen gehen in diesem Moment durch meinen Kopf. Darf ich mich als junge muslimische Frau nicht stilbewusst und nach meinem eigenen Geschmack kleiden? Das würde dann nämlich bedeuten, dass ich kein Recht darauf habe, selbst zu bestimmen, wie ich aussehen möchte.

Warum kann das Kopftuch nicht etwa modern, dem Zeitgeist der neuen Generation entsprechend getragen werden? Mode verändert sich mit der Zeit. Auch Traditionen, Lebensweisen, das Ausleben der Religion sind in einem stetigen Wandel. Wie wir sehen, auch das Kopftuch erlebt eine Neuinterpretation.

Für mich steht fest, dass jeder Mensch, so auch jede Muslimin selbst bestimmen darf, wie sie ihr Kopftuch trägt und somit auch, wie sie sich selbst durch ihren Kleidungsstil und ihren Hijab nach außen hin präsentiert. Denn das Kopftuch steht für die Selbstbestimmung der muslimischen Frau und sollte sie keineswegs einschränken.

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