Ich verstehe nur Bahnhof.” So in etwa ging es einem CEAI-Mitglied bei seinem letzten Freitagsgebet. Von wegen Deutsch ist die Landessprache – Moscheen haben ihre eigene.

Der Gang zur Moschee gilt als besonders wichtig im Islam, denn dort verrichten viele Muslime täglich ihr Gebet. Nicht selten entstehen innerhalb der Gebetsräume enge Freundschaften und Bekanntschaften zu anderen Muslimen, die den Moschee-Besuch zu einem spannenden Treffpunkt für Jung und Alt machen. Besonders beliebt ist das Freitagsgebet, das für den Muslim eine religiöse Pflicht ist. Wer regelmäßig beim Freitagsgebet ist, weiß, wen man nächsten Freitag um dieselbe Uhrzeit, am selben Ort sehen wird. Es bildet sich eine Gemeinschaft, zu der man sich zugehörig fühlt. Nicht zuletzt auch wegen der Sprache, die im Kreise der Moschee gesprochen wird, die “Moschee-Sprache”.

Kaum jemanden stört es, zumindest nicht die Muslime. Doch in den wenigsten Moscheen wird Deutsch gesprochen. Religion kenne keine Sprachen, Kultur oder Herkunft, doch wenn es um die Moscheen geht, gilt das Gebot: Unsere Moschee, unsere Sprache. Ist die Moschee nicht Gottes Haus? Natürlich. Doch die Muslime hierzulande haben das starke Bedürfnis nach Abgrenzung von anderssprachigen Muslimen. Demnach wird in jeder Moschee die Sprache derer gesprochen, denen sie gehört. Sie heißt dann türkische, bosnische, arabische, … Moschee. Muslime gleicher Herkunft und Sprache besuchen in den meisten Fällen die “eigene” Moschee und fühlen sich dabei pudelwohl, denn es wird die eigene Muttersprache gesprochen und man bleibt “unter sich”. Kein Wunder, dass man da immer wieder dieselben Gesichter sieht.

Erst kürzlich durfte ein CEAI-Mitglied eine unangenehme und zugleich schlecht stimmende Erfahrung beim Freitagsgebet machen, bei dem es unter anderem auch einen Vortrag von einem Imam gab, auf Türkisch. Wie ärgerlich, wo doch Deutsch die Landessprache ist und man davon ausgehen kann (würde), dass bei einem Gebet, an dem so viele Menschen teilnehmen, eine für alle Anwesenden verständliche Sprache gesprochen wird, logischerweise die Landessprache. Eben nicht. In jeder Moschee wird eine andere Sprache gesprochen. So werden auch die Vorträge beim Freitagsgebet auf genau derselben Sprache abgehalten. Vor allem der Vortrag ist ein wesentlicher Bestandteil des Freitagsgebets, da in diesem von Woche zu Woche ein anderes Thema behandelt wird und die Zuhörer auch immer etwas neues dazulernen. In diesem Sinne wäre es umso wichtiger , alle Anwesenden an diesen Vorträgen teilhaben zu lassen, ohne jegliche Sprachbarrieren.
In der Praxis erweist sich das als sehr schwierig, zumal sich Moscheen in Österreich seit Jahren etabliert und ein “Eigenleben” entwickelt haben, das sich durch eine gemeinsame Sprache und Herkunft ihrer Muslime auszeichnet. Es ist schwierig hier neu anzusetzen, da die Moscheen seit jeher auf eigenen Beinen  stehen und es kaum einen Einfluss von draußen gibt. Das System, wie es in den meisten Moscheen zu finden ist, lässt viel Raum für Kritik. Mit dem Islamgesetz wurde erstmals auf diese Problematik hingewiesen und Deutsch als Moschee-Sprache verpflichtend eingeführt. Das Augenmerk waren dabei Vorträge von Imamen und Gelehrten in Moscheen, die auf Deutsch abgehalten werden sollten. Viel hat sich jedoch nicht verändert.

Fest steht, Sprache ist der Schlüssel zum Verständnis und des Miteinanders. Es ist nichts Verwerfliches, sich in seiner gewohnten Umgebung, seinem eigenem Kulturkreis, auf der eigenen Muttersprache wohl zu fühlen. Doch ist die Moschee der richtige Ort dafür? Für viele Muslime ist es das, denn die Moschee besuchen sie gerne und oft, verbinden damit einen Zufluchtsort, an dem sie “unter sich” sein können, ohne dabei auf der/die/das achten zu müssen. Für unser CEAI-Mitglied wird es bis auf Weiteres beim “Wie, bitte?” bleiben.