Es ist so etwas wie das neue Kultwort unter den jungen Muslimen und Musliminnen heutzutage: Haram bedeutet soviel wie Verbot und findet im islamischen Recht seinen Ursprung. Unter Haram fallen somit all jene Dinge, Taten, Praktiken, etc., die im Islam ausdrücklich verboten sind, wie z.B. das Essen von Schweinefleisch oder das Trinken von Alkohol. Die Klassiker eben.

“Das, was du machst, ist Haram, Schwester.” Schon einmal gesagt bekommen? Jeder kennt diese eine Person, die genau weiß, was als Verbot gilt und, die einen immer wieder darauf hinweist, dieses und jenes nicht zu tun. Egal ob im eigenen Freundeskreis oder in der Familie, den “Haram-Kenner” gibt es überall. Es kann schon mal nervig sein, vor allem dann, wenn plötzlich alles zu Haram wird, was man tut. Nicht nur, dass man sich von Alkohol fernhalten soll, sondern wird nun auch der eigene Kleidungsstil, das Musikhören, das Weggehen mit Freunden, etc. als Verbot abgestempelt. Ist etwa alles Haram? Viele junge Muslime und Musliminnen stehen vor einem großen Fragezeichen. Gerade in der heutigen Zeit hat sich Haram als das Wort für alles etabliert und findet bei vielen Muslimen und Musliminnen großen Zuspruch, zumindest bei denen, die sich das Aufhängen von Verboten zum Hobby machen.

Gerade in sozialen Netzwerken erlebt der Begriff Haram einen großen Aufschwung, weil es hier reichlich Raum für Diskussion gibt. Dabei kommt es oft zu einem Eklat zwischen Muslimen aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zu bestimmten Themen. Es herrscht oft Unverständnis für den andersdenkenden Muslim, die Kritikfähigkeit mancher Internet-User lässt zu wünschen, es kommt zu Beleidigungen, etc.

Eine derartige Auseinandersetzung entdeckte ich erst kürzlich in einem öffentlichen Diskussionsforum für Muslime. Ein Mitglied äußerte sich zu der fehlenden Toleranz der anderen Forum-Mitglieder und sprach unter anderem das Thema Frauenunterdrückung an.

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Mit diesem Post wurde regelrecht eine Diskussion rund um das Thema Frau und die Unterdrückung dieser gestartet. Einige Nutzer nahmen kein Blatt vor dem Mund und kritisierten diese Äußerung, vor allem das stärkere Geschlecht fühlte sich angesprochen von dem Frauenthema. Hier einige Kommentare:

Unbenanntkommentar

Die Diskussionen und/oder die Beleidigungen gingen so weiter, dass einige Mitglieder die Gruppe verließen. Neben denen, die Kritik übten, gab es diejenigen, die sich der hagelnden Kritik nicht gewachsen fühlten.

sup

Und was nun? Darf man als Muslim oder Muslimin keine kritische Meinung öffentlich äußern, sogar dann, wenn es um “heikle” Themen geht? Was ist dann mit “heikleren” Themen wie Sexualität und Beziehungen? Wird man dann wohlmöglich aus einem öffentlichen Forum entfernt, weil man “gefährliches” Terrain betritt, sich an Haram-Themen nähert? Zumindest wird man immer an Andersdenkende stoßen, aber auch an die “Haram-Kenner”, die ihre Meinung oft unbegründet darlegen und öffentliche Diskussionen in eine gewünschte Richtung lenken. Doch woher dieser Trend der Besserwisserei, der Allwissenden? Oder sollte ich “Allwissende” auch zurücknehmen, weil Haram?
Ja, wir alle kennen sie. Soziale Netzwerke und ihre Macht. Für viele bieten sie eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung, andere wiederum möchten lediglich diskutieren.

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