Ich wollte unbedingt mehr über den Augustin-Verkäufer in der U6-Station Nussdorferstraße erfahren und sprach vor Ort mit ihm. Im Gespräch konnte ich einen kleinen Einblick in sein Leben bekommen und darf ihn heute als einen herzhaften Menschen bezeichnen. Kalu heißt er und stammt aus Nigeria.

CEAI: Hallo, spricht du Deutsch oder Englisch?
KALU: Englisch, nur Englisch.

CEAI: Ich hoffe du hast kurz Zeit für mich. Mein Name ist Azra und ich bin Teil des Ceai-Teams. Ich würde gerne mit dir plaudern.

KALU: Worum geht es genau?
CEAI: Ich würde gerne etwas über euch Augustin-Verkäufer erfahren. So viele Menschen begegnen euch täglich, doch niemand spricht mit euch.

Kalu wirkt zunächst erstaunt darüber, dass ich ihn so direkt anspreche und zögert erstmal. Wir kommen langsam ins Gespräch, nachdem ich ihm versichere, dass ich keine bösartigen Absichten habe.
 

KALU: OK, ja klar. Ich meine, ich kann dir keine Details geben, aber natürlich kann ich dir ein paar Fragen beantworten.(lacht)

CEAI: Toll, das freut mich! Ich habe dich schon oft beim Aussteigen aus der Ubahn gesehen, wie du hier stehst und deine Zeitungen verkaufst. Nun wollte ich auch mal wissen, wer du bist und wie du zu diesem Job gekommen bist.
KALU: Ich komme aus Nigeria. In Österreich bin ich seit etwa 2 Jahren und arbeite hier als Augustin-Verkäufer.

CEAI: Gefällt dir dieser Job eigentlich?
KALU: Nun, würde ich sagen, ich mag diesen Job, würde ich lügen. Doch das ist das, was ich im Moment mache und ich bin zufrieden damit. Momentan ist es in Ordnung. Ich muss ja irgendwie für meine Zukunft sorgen. Arbeiten muss jeder.

CEAI: Ich bewundere dich für deine positive Ausstrahlung und die Tatsache, dass du hier so lange stehst und trotzdem immer ein Lächeln parat hast. Wie lange arbeitest du täglich?
KALU: 14-15 hours a day.

Ich staune.

CEAI: Warum machst du das? Wie bist du dazu gekommen?
KALU: Natürlich ist es oft anstrengend und das ist nicht mein Traum-Beruf, aber ich versuche mir so gut es geht ein Standbein aufzubauen, um zu überleben und hier in Österreich zu leben. Davor war ich jahrelang in Italien. Ich habe in Nigeria ein Arbeits-Visum bekommen. Ich wurde sozusagen nach Europa eingeladen. Viele glauben ich bin ein Flüchtling, aber Europa hat nach mir gesucht, nicht ich nach Europa. Hier in Österreich angekommen, war es so ziemlich das erste, was ich finden konnte bzw, was mir angeboten wurde. Natürlich habe ich dann angefangen zu arbeiten.

CEAI: Was hast du in Nigeria gemacht?
KALU: Viele glauben, ich bin dumm und mache deshalb diese Arbeit. In Nigeria hatte ich aber schon einen Job. Ich bin gelernter Elektriker. Doch mit dem Visum hat es mich nach Europa verschlagen. Nachdem ich in Italien keinen passenden Job finden konnte, weil ich anscheinend zu überqualifiziert bin, kam ich nach Österreich.

CEAI: Das klingt sehr spannend. Wie gefällt es dir in Österreich?
KALU: Ich mag es sehr. Die Leute sind sehr freundlich und können Englisch, nicht wie in Italien! (wir lachen)

CEAI: Um Deutsch kommst du aber nicht herum, oder?
KALU: Klar,ich muss Deutsch lernen. Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg. Das ist vermutlich auch ein Grund, warum ich keinen anderen Job finden konnte. Kein Deutsch, keine Arbeit.

CEAI: Wie schätzt du deine Chancen ein, einen Job in deinem Metier zu finden?
KALU: Doch, ich bin durchaus positiv gestimmt. Doch es wird schwierig ohne Deutsch-Kenntnisse. Wenn ich Deutsch könnte, wäre es sicherlich einfacher. Das, was ich momentan mache, ist kein Garant für meine Zukunft. Ich brauche etwas Beständiges. Dazu brauche ich Deutsch. Ich habe mit einem Deutsch-Kurs angefangen, doch es ist schwierig, da ich oft stundenlang arbeite. Das mit dem Sprachenlernen derzeit ist etwas mühsam.

CEAI: Wie schätzt du die Situation mit den Flüchtlingen in Europa ein?
KALU: Ich selbst weiß, wie es ist Probleme zu haben. Diese Menschen kommen aus Ländern, in denen es so viele Probleme gibt und gehen in andere Länder, wo wieder neue Probleme entstehen. Das verstehe ich nicht. Mir fällt auch auf, wie sich manche Flüchtlinge hier verhalten. Sie sind laut und benehmen sich wie Clowns. Das ist nicht in Ordnung.

CEAI: Hast du Frau und Kinder?
KALU: O, nein, ich bin ledig. Ich habe Familie in Nigeria. Hier bin ich vollkommen auf mich alleine gestellt. ich habe niemanden in Europa. Ich suche nicht nach Freunden, wenn ich sie brauche. Für mich sind das keine wertvollen Freundschaften. Das selbe gilt auch für Beziehungen. Ich brauche jemanden, der mein Leben bereichert, mit mir geht, und zu mir steht. Um Finanzielles geht es mir nicht. Ich will eine wertvolle Partnerschaft, die mich voranbringt in meinem Leben. Put your hands to a love that will last.

CEAI: Es ist erstaunlich, wie positiv du bist und über dein Leben nachdenkst. Überlegst du nach Nigeria zurückzukehren?
KALU: Gerne würde ich meine Heimat besuchen und meine Familie sehen, aber alleine die Reise ist viel zu teuer und im Moment könnte ich mit das unmöglich leisten. Ich lebe in dem Hier und Jetzt. Ich kann nicht behaupten, dass ich alles erreicht habe, was ich mir erhofft hatte. Doch ich arbeite daran, ich will etwas für meine Zukunft haben und ein glückliches Leben führen. Dazu brauche ich kein Geld und falsche Freunde.

CEAI: Vielen Dank, Kalu! Ich muss auch schon weiter, die Arbeit wartet auch auf mich. Wir sehen uns bestimmt bald wieder.
KALU: Danke auch dir. It was a pleasure.

Am Ende unseres Gesprächs bat ich ihn um ein Selfie. Wir verabschiedeten uns mit einem herzhaften “Bye”.