Wer diesseits nicht genug bekommt von seiner Ehegattin, kann sich freuen und auf den Einzug ins Paradies hoffen. Denn dort erwarten einen gläubigen Muslim 72 Jungfrauen, mit denen er für seine Taten und seinen Glauben im Diesseits belohnt wird. In Sure 56 wird über die sog. Huris gesprochen. Huris sind Jungfrauen, großäugige Perlen, reine Wesen, die einem Mann im Paradies zustehen. Und den Frauen? Es gibt keinen Koranvers, der auf eine gleichwertige Belohnung für Frauen zielt. Dass wir im Diesseits mit Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten zwischen Mann und Frau zu kämpfen haben, ist nichts Neues. Dann wird diese Ungerechtigkeit auch im Jenseits fortgesetzt? Für viele Frauen unverständlich, doch da “oben ” herrschen eben andere, Gottes Gesetze.

Doch wie sehr wünscht sich ein Mann überhaupt, nur Jungfrauen im Paradies vorzufinden? Kann Mannes Lust hinreichend befriedigt werden mit unberührten, sexuell noch nie aktiv gewesenen Wesen? Und was wünschen sich die Frauen? Die meisten Gerechtigkeit.
Muslimische Frauen haben sich dazu geäußert und gesagt, was sie über diese Belohnung denken.

M.: Wer ins Paradies kommt, kann sich alles wünschen und ihm wird alles gegeben. Dies gilt gleichermaßen für Frauen und Männer. Nichtdestotrotz gibt es eine Sache mit der sich viel auseinandersetzen: Jungfrauen! Frauen und Männer bekommen alles was sie sich wünschen, aber nur  Männer bekommen noch dazu reine Jungfrauen. Es wurde mir von meinen LehrerInnen beigebracht, dass ich auch eine der Jungfrauen meines Ehemannes sein werde, falls dieser ins Paradies kommt. Mit weißer dursichtiger Haut und wunderschön, aber eine von vielen.
Ich konnte mich nie damit zufrieden geben, dass ich nur eine Belohnung für meinen Ehemann sein sollte. Es ist nicht die gleiche Belohnung für alle, wenn die Männer noch etwas Zusätzliches bekommen. Wo bleibt meine zusätzliche Belohnung für meine guten Taten und meinen Gottesdienst? Es ist nicht genug, dass Frauen im Diesseits von einigen Männern als Eigentum betrachtet werden und dann soll das noch im Jenseits auch weitergehen.
Ich glaube nämlich nicht, dass mich der gerechte Gott von dem Mann und für den Mann erschaffen hat. Ich bin um meines Selbstwillens von Ihm erschaffen worden!

N.: Nicht nur der „weltliche“ Umgang mit Sexualität sollte wieder ins richtige Licht gerückt werden, sondern auch die Ansichten, wie Muslime mit Sexualität umgehen. Einerseits gibt es die Theologie, die etwa den Männern eine Vielzahl an Huris im Paradies verspricht, jedoch Frauen gegenüber gibt es hierzu kein Pendant aus islamisch theologischer Perspektive.
Spätestens hier sollte jede Muslima „aufwachen“ und sich Gedanken machen, dass Allah „Al-Adl“ (der Gerechteste) ist und dies wiederum ungerecht wäre.
Abseits der Gerechtigkeitsfrage muss man sich auch die Frage stellen, ob jeder Mensch (Mann oder Frau) so etwas will? Ist es nicht viel mehr so, dass Allah den Menschen durch Metaphern auch zu belehren versucht und dieser Vers schlicht weg in eine Zeit gekommen ist, in der die Zivilisation der Menschheit nicht so „fortgeschritten“ war, dass man die Belohnungen Allahs im Paradies anders kaum begreifen hätte können, als nur anhand der „Sinnbilder“.
Zumeist spricht Allah im Koran beide Geschlechter in gleicher Weise an, daher ist diese Konstruktion, dass hier nur die Männer angesprochen seien meiner Meinung nach nicht korrekt. Das Paradies ist kein Platz, an dem Nur Männer für deren Taten in welcher Art und Weise auch immer belohnt werden, sondern gilt jedem Geschöpf, dass das Paradies durch sich selbst und Gottes Gnaden erworben hat.

D.: Diese „Frauen“, die eher als mystische als menschliche Wesen zu betrachten sind, werden von Übersetzern unter anderem als „Jungfrauen mit wohlgeformter Brust“ oder auch als „gleichaltrige Frauen mit schwellenden Brüsten“ beschrieben. Worüber nicht gesprochen wird, ist über das, was umgekehrt geschieht, wenn eine fromme Frau verstirbt und das Jenseits betritt. Gibt es die Huris auch für Frauen? Eine Situation, die mich als Frau wahrscheinlich eher belasten würde. Dieses sexualisierte und lustvolle Bild vom Paradies klingt für mich jedoch abstrus und beide Versionen sind für mich nicht vereinbar mit dem Islam, der stets an das Schamgefühl und an die Keuschheit der Gläubigen im Diesseits appelliert. Gründe für mich gegen die These sind vor allem, dass das Wort Huris mehrdeutig ist und so dem Übersetzer einen großen Interpretationsspielraum bietet. Die Deutung geht allerdings eher in Richtung geschlechtslose, reine Wesen. Dass sie ausschließlich zur Beglückung des Mannes erschaffen worden sind, kann aus dem Koran nicht entnommen werden. Ich bin der Auffassung, dass es ein Ort vollkommener Liebe und Zufriedenheit sein wird, in dem man vereint ist mit seinen Liebsten und in dem man ausschließlich Allah gewidmet ist. Dies gilt für beide Geschlechter gleichermaßen. Denkbar ist für mich auch, dass eine Frau als Mutter besonders belohnt wird. Womit, das weiß nur Allah selbst.