kerze spruch“Eine Kerze anzuzünden ist besser als über die Dunkelheit zu fluchen”

Der Tag startet mit zwei schlechten Nachrichten: zum Ersten, die bestürzende Nachricht vom Terror in Brüssel, dessen selbstverständliche Verurteilung auch von so manchen Organisationen viel stärkere Präsenz bräuchte; zum Zweiten, die diesbezüglich nur mehr relativ schlechte Nachricht, nämlich, dass die restlichen vier Teilnehmerinnen unserer Studienreise vormittags in Düsseldorf feststeckten, weil das Flugzeug defekt war – soweit ich richtig informiert bin – und deshalb ihr Flug nach Marrakesch ausfiel. Sie werden wahrscheinlich am Donnerstag nachkommen.

Da ich schon am Sonntag in Marrakesch ankam, hatte ich heute beim Frühstück die Möglichkeit ein ausführliches Gespräch mit dem Hausmeister Samad und beiläufig mit einem französischen Gast, namens Anid, über die schrecklichen Ereignisse in Brüssel zu führen. Hier eine kurze Zusammenfassung mit den wesentlichsten Aussagen: 

“Diese Verrückten [Terroristen] wissen nichts über unsere Religion, denn bereits im Qur’an steht, wer eine darzouarPerson töte, der töte die gesamte Menschheit [Q 5:32].” Samad ergänzte diese Aussage mit dem Hinweis, dass, wenn ein Muslim einen anderen Muslim töte beide in die Hölle kamen. Hier wirft Anid ein, dass es sich bei diesen Anschlägen ausschließlich um politisch motivierte Taten handle, worauf er auf die wirtschaftlichen Zusammenhän
ge  im Interesse westlicher Staaten aufmerksam machte. Samad schüttelt verzweifelt den Kopf und sagte, die arabische Welt ist ein reines Chaos, vor allem weil die vorigen Herrscher im Irak und im Libyen beseitigt wurden, immerhin sei ein ungerechter Herrscher besser als eine in Chaos lebende Gesellschaft [Zitat von Ibn Taimiya, gest. 1328]. Anid bestätigt, dass wir nur wegen diesen politischen Organisationen, die von der Wirtschaft gesteuert werden, ein solches Chaos in der arabischen Welt haben.

An dieser Stelle frage ich, ob die Religion von der Politik zu trennen sei. Samad [rechts im Bild] antwortete nicht direkt auf die Frage sondern meinte, dass die Religion, also der Islam, in erster Linie für die persönliche Beziehung zu Gott durch die von Gott gegebene Offenbarung sei. Erst in zweiter Linie sei sie für die gesellschaftliche Ordnung zuständig, in dem ein gerechter Herrscher vorbildhaft islamische Werte und Prinzipien vorlebe.” Dabei zeigte Samad auf das Herz, denn es gehe letztlich nur um die
Bereicherung der Seele und des Herzens. Dazu zitierte er eine Überlieferung (Hadith) des Propheten: “Gott schaut nicht in eure Gesichter sondern auf eure Herzen!” Es gehe um ein reines Herz, um Frieden und Gesundheit, um gute Beziehungen zu seinen Liebsten, zu den Nachbarn und um eine umfangreiche Erziehung der Kinder, so Samad,

Bei der Frage, welche islamischen Prinzipien ihm am Wichtigsten sind, sagte er, dass der Islam eine sehr einfache, also eine für alle Menschen leicht zu verstehende Religion sei, in der es nur um die persönlichen guten Taten gehe. Keinesfalls dürfe ein Muslim über andere Menschen urteilen, doch genau das passiere momentan in weiten Teilen der arabischen Welt: “Würden alle Menschen sich mehr mit ihrer persönlichen Beziehung zu Gott auseinandersetzen, und weniger fundamentalistischen Ideologien folgen, gebe es keine Probleme. Es braucht keine politischen Organisationen, die uns ein islamisches Gesellschaftsbild versprechen, es braucht gute Vorbilder, wie etwa unser König Mohammad VI. hier in Marokko.”

Zu Mittag traf ich Khaled, mein Kollege und Freund vom Institut, der die Reise organisiert und leitet. Aufgrund der nicht einkalkulierten Umstände eines ausgefallenen Fluges, ergab sich für uns ein eher lockeres Programm, da wir beide die Stadt schon kennen, Khaled natürlich einiges besser als ich. Hier ein paar Eindrücke des heutigen Tages:

schafskopf

Für einen Schafkopf war der Hunger dann doch nicht so groß, weshalb wir gewöhnliches Lammfleisch mit Brot aßen.

 

Die Almoravid Koubba, dben yusuf mausoleumie 1117 erbaut wurde, ist neben der gegenüberliegenden Ben Yusuf Moschee die einzige erhaltene Almoravid Architektur in Marrakesch. Am Eingang aus Marmor und Zedernholz steht in kursiver arabischer/maghribinischer Schrift: “Ich entstand für die Wissenschaft und das Gebet […]” 

An der Eingangstür der Ben Yusuf Moschee findet sich die ausschließliche Betretungserlaubnis für Muslime, das zwar unüblich, doch aufgrund des Touristenansturms durchaus verständlich ist. Immerhin ist sie einer der ältesten Moscheen der Stadt.kech collective

Khaled und ich beschlossen, uns der Modern Art hinzugeben und besuchten eine Ausstellung schweizer-marokkanischer Kooperation im Rahmen der Marrakesch Biennale 2016:

barbie and orient

 

Zwei ausgewählte Werke vom KE’CH Collecitve:

weibl kopfbedeckung

sauberkeit im glaubenAls der Tag langsam sich dem Ende zuneigte, fanden wir noch einen bemerkenswerten Spruch, der dieser Gasse alle Ehre macht und auf Nachahmung in anderen Straßen und Gassen sowie in anderen etwaigen nahöstlichen Staaten wartet: “Die Sauberkeit liegt im Glauben.” 

Bis morgen!