Michael, Casablanca:
Tagwache 5:45, ursprüngliche Abfahrtszeit mit dem Bus nach Casablanca 6:30, Abfahrt 7uni casa1:30, Ankunft 11:30 … aber mit Internet wird einem heutzutage ja nicht mehr langweilig. Ich checkte im Colisse ein und machte mich für den heutigen Programmpunkt unserer Reise fertig: Teilnahme an der internationalen Fachtagung an der Fakultät für Literatur und Geisteswissenschaften der Universität Hassan II. in Casablanca mit dem Titel: “Familiäre Wert im Heiligen Koran”

Am Campus angekommen suchte ich zuerst das Auditorium auf und fragte, wann es nach der Mittagspause wieder losgehe. Da ich noch Zeit hatte, ging ich zum Uni-Cafe ein Wasser kaufen. Dort traf ich Ayoub Tai, Musiker und Germanistikstudenten mit 3-jährigem Deutschland, dementsprechend guten Deutschkenntnissen. Schnell wurde aus einem “Kann ich helfen” ein richtig gutes Gespräch im Grünen des Campus. Im Laufe der gemeinsam verbrachten Zeit , trafen wir ein Dutzend seiner Freunde. Ich nutzte diese Gelegenheit, ein wenig genauer das Denken junger marokkanischer Männer zu erforschen. Einhellige Antwort von Hamza, Ayoub, Yunis und Anwar (von rechts) auf die Frage nach dem wesentlichsten Wert für eine friedliche Koexistenz: Respekt. Ayoub sehr überlegt in seinen Antworten führte aus, dass Gott nicht um sonst unterschiedliche Nationen und Stämme erschuf, um sich gegenseitig kennenzulernen, und das gehe nur über anfänglichen gegenseitigen Respekt. Khaled kam dazu und begrüßte mich mit einem lockeren “Hab keine Lust”, das er womöglich bei den Germanisten aufschnappte. Er blieb mir aber auch mit dieser Aussage in Erinnerung: “Think about it, my father is a wise man, because he namend his son Khaled, means inmortal, and his daughter Iman, menas faith, the inmortal faith.” Während die Tagung ihren Lauf nahm, führte ich unentwegt spannende gesellschaftsrelevante Themen mit Ayoub und dem dazugestoßenen Philosophielehrer Abdul Karim, der kein gutes Haar an der Erziehung und vor allem an der religiösen Bildung der momentan Pubertierenden lässt.ayoub tia Er erzählte mir, er hätte die Schüler gefragt, ob sie einem Aufruf des Königs zum Krieg gegen Algerien folgen würden, und viele Schüler antworteten mit der Begründung, dass sie dann als Schahid (Märtyrer) in das Paradies eingehen würden. Letztendlich gelangte ich zu der Überzeugung, dass mit dieser Studierenden-Generation Marokko in eine positive Richtung geht. So antwortete Ayoub auf meine Frage, was er als König des Landes als Erstes ändern würde: “Kostenlose Schulbildung für alle.” Auch für Österreich hat er eine Botschaft: “Wir lieben Österreich und alle Österreicher sind herzlich willkommen!”

Langsam aber doch drängte ich, noch etwas von der Tagung uni casa6mitzubekommen, und so fragte ich meinen neu gewonnen Künstlerfreund, ob er mich begleiten und für mich ein bisschen übersetzen mag. Mein Arabisch ist nicht auf dem Niveau, dass ich schnelle 15-Minuten-Vorträge sinngemäß verstehe. Eineinhalb Stunden und fünf Vorträge wurde ich in meiner Arbeit für CEAI, speziell im Bereich Frauen, Ehe und Familie bestätigt, am richtigen Weg zu sein.

Azra, Marrakesch:
Ja, nachdem wir am Dienstag unseren Anschlussflug  nach Marrakesch in Düsseldorf verpasst hatten, waren wir ziemlich betrübt. Zwei lange Tage mussten wir warten – Mabrouka, Sara, Maynat und ich. Heute endlich kamen wir in Marrakesch an, überglücklich es hierher geschafft zu haben. Lediglich etwas verstört durch die vielen Fliegen, die uns beim Aussteigen aus dem Flugzeug willkommen hießen. IMG_4597[1]

Schon bei der Autofahrt zum Hotel durften wir die erDSC_6922sten kulturellen oder infrastrukturellen Unterschiede zwischen Marokko und Österreich kennenlernen. Der Verkehr kennt keine Regeln und Vorrang hat derjenige, der schneller ist. Dass man in kleinen Gassen immer wieder fast von Moped-Fahrern angefahren wird, ist auch keine Seltenheit. Ja, Marrakesch hat uns überwältigt.  DSC_6950Das nicht zuletzt mit seiner einzigartigen, köstlichen Küche. Wir besuchten das bezaubernde Restaurant Jad Jamal mitten in der Stadt. Neben dem köstlichen Essen, das von Couscous bis zu auf marokkanische Art zubereitetem Hühnerfleisch reichte, durften wir die herrliche Aussicht über den Dächern Marrakeschs genießen.

Wir besuchten außerdem die alte Madrasa Ben Youssef und spazierten durch die Gassen der madrasa ben youssefInnenstadt. Wir stellten ziemlich schnell fest, dass uns die chaotische Atmosphäre und das Klima in Marrakesch sehr gut tut. Sara bestätigte dieses Wohlgefühl immer wieder:”Ich will hier leben!” Auch Mabrouka scheint sich sehr wohl zu fühlen, auch weil Marrakesch sie in vieler Hinsicht an ihre Heimat Tunesien erinnert. Und Maynat und ich? Der Ostblock findet Gefallen am marokkanischen Flaire – die vielen Menschen, das schöne Wetter, die roten Häuser, das Chaos.

Später Abends verwandelte sich der große Platz im Zentrum der Stadt zu einer wunderschönen Promenade, die durch viele Musikanten, Schlangenbeschwörer und Verkäufer zum Leben erweckt wurde.

Bis morgen!

Share This