fes16Über die engen Gassen des Souks von Fes gingen wir zur Moschee und Universität Qarawiyin (links mit Minarett). Sie wurde im Jahre 859 von der heute unbekannten Fatima Al Fihri gegründet. Äußerst traurig aber die patriarchale Gesellschaft wiederspiegelnd, dass ihr zu Ehren weder ihre eigene noch eine andere Universität nach ihr benannt wurde. Auch keine Statue oder ähnliches findet man in der Umgebung.fes14 Immerhin ist die Universität Qarawiyin die heute älteste existierende und lehrende Universität, die stets eine wichtige religiöse Bildungseinrichtung in der muslimischen Welt war. In der Universität Qarawiyin wird die klassische Islamwissenschaft gelehrt. Und Qarawiyin ist bis heute eine wichtige spirituell-religiöse Institution, eine der größten Moscheen Nordafrikas.

Anschließend besichtigten wir die Madrase Bou Inania, die sich inmitten des Souks befindet. Sie wurde zu Lebzeiten des Sultans Abou Inan gegründet (1351-1356). Bou Inania ist die einzige Madrasa in Fes, die ein Minarett hat. Ähnlich wie die anderen Madrasas in Marokko hat auch diese einen fast identischen Stil und Bau. Hier lernten wir den Philosophie-Prof. Hatim (rechts) kfes13ennen, der uns erzählte, dass er sich auf die Säkularisierung des marokkanischen Staates spezialsierte. Seine Arbeiten sind unter anderem stark an die deutsche und französische Philosophie angelehnt. Wir werden ihn später noch auf der Universität treffen.

fes8Am Nachmittag empfingen wir Prof. Youssef Achalhi auf der Dachterrasse unseres Hotels. Er hat bereits einen Doktortitel in Politikwissenschaft, wo er auch als Dozent der Fakultät für Literatur und Geisteswissenschaften lehrt. Momentan arbeitet er an seinem PhD in Philosophie: “Subjekt und System: Hegels Philosophie, 1801-1807” lautet der Titel seiner Arbeit. Wir haben ihm von unserem CEAI-Projekt berichtet und ihn gefragt, ob er uns ein paar Fragen beantworten könne. Prof. Achalhi wird uns für die CEAI-Seite einen Abstract seiner Forschungsarbeit zur Verfügung stellen und unsere Fragen per Mail beantworten. Wir freuen uns schon sehr auf interessante Antworten. Er hatte schon in seiner Masterarbeit über Hegels philosophische Denkweise geforscht und war damals auch für 3 Monate in Deutschland, wo er sein Schul-Deutsch aufbessern konnte und heute ein passables Deutsch spricht. Im Gespräch mit ihm schnitten wir ein paar Themen in Bezug auf Philosphie und Islam an. Er sprach von einer Divergenz zwischen der Praxis und der Idee des islamischen Geistes. Ähnlich wie Prof. Jarmouni meint Prof. Achalhi, dass religiöse Bestimmungen heute großteils anders gelebt als sie gedacht werden. Auf die Frage, ob die arabische Welt eine Aufklärung brauche, sagte er: “Ja, die arabische Welt benötigt mehr aufklärerisches Gedankengut. Da ist uns Europa weit voraus, denn dort findet ein ständiger Aufklärungswandel statt. Die Bildungssysteme und Erziehungsstrukturen hierzulande müssen überdacht werden.” Warum in Europa trotz des aufklärerischen Geistes junge Menschen in radikale Strömungen geraten, wird uns Youssef mit vorausschickenden Dankesgrüßen noch beantworten. Diesbezüglich wird es einen Nachtrag geben – inshallah!

fes9Nach einem sehr netten Gespräch mit Prof. Achalhi, machten Khaled, Mabrouka und Maynad sich auf den Weg, um sich mit weiteren Professoren der Universität Sidi Mohammaed ben Abdallah zu treffen, darunter Prof. Hatim und Prof. Achalhi. Bei diesen Gesprächen ging es bereits um konkretere Kooperationen mit unserem Institut, vor allem im Bereich der arabischen Sprache als Voraussetzung für das Studium der islamischen Theologie. Ein Endbericht über die Kooperationsgespräche wird in den nächsten Tagen ausgearbeitet.fes15

Den Abend ließen wir äußerst ruhig ausklingen, denn die gestern erwähnte Verabredung wurde aufgrund äußerst dubioser Gründe abgesagt. In einer Stadt, in der man zur Vorsicht gemahnt wird, muss man nicht unbekannte Menschen an unbekannten Orten treffen. So wurde uns etwa nicht die Adresse mitgeteilt, wo das Treffen hätte stattfinden sollen. Diese Unhöflichkeit ist also zu rechtfertigen.

Morgen geht es über Ifrane zurück nach Marrakesch. Bis dann!

 

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