“Oida” war einmal. Jetzt sind es Ausrücke wie yani, wallahi und inshallah, die das Österreichisch aufgepeppt haben. Die einen nennen es Kult, die anderen Radikalisierung.

Oida und Bruda waren richtig angesagt unter den jungen Österreichern. Es gehörte zum gängigen Wortschatz der jungen Generation, zumindest derer, die sich um ein “richtiges” Deutsch nicht wirklich kümmerten. “Oida, ich pack das nicht” oder “Bruda, gehma Park.” Ja, zugegebenermaßen schmerzt es, diese Wörter so zu schreiben und zu lesen. Das Hören und Sagen dieser Wörter fällt einem um einiges leichter. Doch die neuen Kultwörter von heute haben so gar nichts mit dem “ausländerischen” Österreichisch zu tun. Yani, wallahi, mashallah, inshallah werden am häufigsten von muslimischen Jugendlichen verwendet, die mit diesen arabischen Audrücken aus der Masse herausstechen wollen. Doch was bedeuten sie eigentlich und woher kommt dieser Kult?

Entweder sind sie am Weg der Radikalisierung oder sie sind es schon!
Eine gängige Annahme unter den “Experten” hat sich vor allem in den letzten Jahren der zunehmenden Radikalisierung von Jugendlichen herausgebildet: Wer yani und co. sagt, ist so gut wie radikalisiert, wenn nicht schon fast in Syrien. Es muss irgendwelche Kriterien geben, mit welchen man radikalisierte, extreme muslimische Jugendliche als solche einordnen kann. Hilft das yani oder alhamdulillah wirklich als Hinweis darauf? Laut Expertenmeinungen gibt es im Hinblick auf die Verwendung dieser Wörter, übrigens Arabisch, sehr wohl Zusammenhänge mit der Radikalisierung. Doch kann man Radikalisierungserscheinungen allein auf den Sprachgebrauch eines Muslims beschränken? Natürlich nicht! Jedoch stellt man sich die Frage: Wie kommt der bosnische Muslim dazu, ständig yani zu sagen? Warum lobpreist die junge Muslima aus Tschetschenien Allah in jedem zweiten Satz mit mashallah oder alhamdulillah? Auffällig ist es, vor allem auch, weil die arabischen Wörter nicht aus der eigenen Muttersprache kommen. Dass es sich um einen Kult unter den Jugendlichen handelt, ist nicht zu bestreiten.

Und warum nicht einfach Deutsch sprechen?
Die meisten wollen cool sein und sich als Muslime zu erkennen geben und sich von den anderen “Normalos” abheben. Manche gehen sogar so weit und sagen, wer ein “richtiger” Muslim sein möchte, muss so viele arabische Wörter wie möglich verwenden. Wörter wie alhamdulillah (gelobt sei Gott), inshallah (wenn Gott es so will), mashallah (wie es Gott beliebt) und wallahi (bei Gott) haben einen religiösen Bezug und ihre Bedeutung ist auch (fast) jedem Muslim bekannt. Die einen verwenden es mehr, die anderen weniger. Manche deshalb mehr, weil die Lobpreisung und Erwähnung Gottes im Islam sehr wichtig ist und man dafür belohnt wird. Bei manchen kann man sogar von Gewöhnung sprechen.
Und warum verwendet man yani? Yani gibt es im Arabischen und Türkischen und bedeutet nämlich/ also/ undzwar/ das heißt. Yani füllt während dem Sprechen die Sprechpausen, dann wenn man nachdenkt. Das Wort wird also von einem großen Anteil von Muslimen verwendet, hat aber keine islamische Bedeutung.

Doch wie und wo eignet man sich diese Wörter an?
Das Internet ist voll mit Videos von islamischen Vortragenden, die zwar auf Deutsch prädigen und gleichzeitig viele arabische Wörter verwenden, unter anderem auch das bekannte Yani. Wer so eloquent und strenggläubig rüberkommen möchte wie die “Vorzeige-Muslime”, macht es einfach nach. Yani bei jeder Gedankenpause und wallahi nach jedem Aussagesatz. Im Handumdrehen klingt man wie die Prediger aus den Youtube-Videos, die für viele, vor allem junge Muslime Vorbilder darstellen. Auch in islamischen Foren ist dieser Kult stärker zu spüren, als je zuvor. Die Jugend von heute kann gar nicht mehr diskutieren, ohne dabei mit arabischem Vokabular anzugeben und die anderen von seinen Arabischkenntnissen zu begeistern. Solange das Gespräch zwischen Muslimen stattfindet, besteht kein Problem in der Verständigung.

Wie reagiert eigentlich der Durchschnitts-Österreicher auf einen Muslim, der sein Deutsch mit unzähligen arabischen Wörtern aufzumischen versucht? Wie weit kann so ein Gespräch überhaupt gehen ohne dabei wissen zu wollen, was das ein oder andere Wort bedeutet? Oder man fragt gar nicht nach, sondern geht ohnehin davon aus, es handelt sich um einen Radikalen.
Arabisch hin oder her, es gab und es wird immer Kultwörter und Richtungsänderungen im menschlichen Sprachgebrauch geben. Besonders unter der jungen Generation, denn so einfallsreich wie heute war sie noch nie. Mashallah!