Die Macht der arabischen Mutter ist groß und das weiß so gut wie jedes arabische Kind.  Jahrelang sprachen Menschen von Unterdrückung der Frau, aber die Wahrheit ist: Arabische Mamas haben zu Hause das Sagen.

Sie sind durchaus  kreativ und überraschen einen immer wieder mit den neuesten Ausreden, warum man denn nicht raus darf.  Was an und für sich super ist, nur haben wir Mädchen da leider einen kleinen Nachteil. Denn während mein älterer Bruder mittlerweile schon ausgezogen ist,  werde ich immer noch bei jedem Ausgang gefragt, wohin ich denn genau gehe.  Das soll nicht heißen, dass meinem  Bruder diese Frage nie gestellt wurde. Aber so leid es mir auch tut, wir haben immer noch diese traditionelle Trennung zwischen Mann und Frau, die mir nicht ermöglicht ganz einfach irgendwohin zu fahren, ohne die Erlaubnis meiner Eltern zu bekommen.  By the way: Meinem Bruder genauso wenig. Nur muss er nicht so oft rumbetteln, wie ich. Oft gibt es ein einfaches „Nein“, wenn ich mal wegfahren möchte.  Viel lustiger sind aber die ganzen anderen Aussagen, die sich meine Mutter in so einer Situation spontan ausdenkt:

Inshallah

An der Spitze der Antworten arabischer Mütter ist das bekannte Wort „Inshallah“.

Inshallah bedeutet  „Wenn es Gott will“. Nun stellt euch einmal Folgendes vor: Ich stehe vor meiner Mutter, frage sie, ob ich heute bei Judith übernachten darf und alles was aus ihrem Mund so rauskommt ist: Inshallah. Punkt. Mehr sagt sie nicht. Ich meine, ich bin ja eh eine gläubige Muslima, aber wie soll ich denn verdammt noch einmal wissen, ob es denn Gott will. Soll ich Gott fragen, ob er es will? Und somit endet auch die Diskussion, du gehst zurück in dein Zimmer, verwirrt, und versuchst herauszufinden, ob das jetzt ein Nein oder ein Ja war. Am Ende rufst du Judith einfach an und erzählst ihr, dass du dir beim Haareschneiden deinen kleinen Zehennagel verbrannt hast, da du sehr kälteempfindlich bist. Das ist immerhin leichter, als ihr zu erklären, dass du nicht kommen kannst, weil du nicht weißt, ob es denn Gott  so möchte.

Nimm doch deine kleine Schwester mit

Erklärt mir einfach bitte mal einer, warum meine kleine Schwester denn Interesse daran hätte, mit mir und meinen Freundinnen auf einen Kaffee zu gehen? Will das denn irgendein zehnjähriges Kind?  Stundenlang in einem Lokal zu sitzen und über Dinge zu reden, von  der es eh keine Ahnung hat. Und die Frage aller Fragen: Warum überhaupt ? Warum glaubt meine Mama überhaupt, dass meine Ausgeherlaubnis davon abhängt, ob  ich meine kleine Schwester mitnehme? Und überhaupt, wie kommt man auf sowas?! Das ist die Magie der Araber, du weißt nie, was dahintersteckt.

Du kannst hingehen, wen du verheiratet bist

Noch so ein geiler Spruch, den meine Mama stets zu sagen pflegt.  Ich sitze also im Wohnzimmer mit meinen Eltern und erkläre ihnen gerade, warum ich gerne eine Weltreise machen würde. Ihr müsst euch vorstellen, dass das nur eine einmalige Situation ist. Ein arabisches Mädchen fliegt nicht so leicht weg, wenn sie schon fliegt, dann doch nicht gleich überallhin auf der Welt. So habe ich dann doch Funkstille erreicht und ehe ich mich versah, machte meine Mutter dann doch den Mund auf. „Alleine kannst du doch nicht so lange wegbleiben, warte, bis du heiratest, dann nimmt dich dein Mann bestimmt mit.”

Aha, ich soll also warten, bis ich verheiratet bin. Erst dann kann ich weg. Was, wenn mein Mann nicht so der Fan vom Fliegen ist, was, wenn ich nicht möchte, dass er mitkommt? Noch schlimmer: Was, wenn ich nie heirate, bedeutet das nie nie nie wegzufliegen?

Natürlich  ist das Ganze nicht so schlimm, wie es sich anhört und ich durfte ja schon oft das ein oder andere Mal wegfliegen. Nur ist es immer wieder lustig dieselben  „Neins“ zu hören und hinterher dieselben „WTF“-Momente zu erleben.