Die Hitze im Sommer bedeutet für die meisten: Ab ins Schwimmbad! Für Muslime hierzulande ergeben sich die unterschiedlichsten Varianten an “Summerfeeling”. Während die einen das Schwimmen aus religiösen Gründen ablehnen, vergessen die anderen bei der starken Hitze, dass es islamische Kleidungsvorschriften gibt und diese auch im Sommer gelten. Bikini, Burkini oder daheim bleiben?

Ich will auch Sommer

In Österreichs Schwimmbäder ist beinahe jede Nation und Religion vertreten. Viele Muslime umgehen die Glaubensfrage während der Sommerzeit und grübeln nicht allzu lange, wenn es um das Schwimmen und das halbnackte Zeigen in der Öffentlichkeit geht. Man will immerhin auch einen schönen Bikini tragen, die Sonne und das Wasser genießen und mit dabei sein. Dass man noch vor einem Monat etwa brav gefastet und auf vieles verzichtet hat, mitunter auch auf freizügige Kleidung, stellt im Gefecht der Hitze keinen Widerspruch dar. Der Sommer bedeutet für viele einen Ausnahmezustand. Ein Zustand des Glaubensabfalls? Zumindest fällt es leichter, Ausnahmen zu machen und Entschuldigungsgründe parat zu halten.

Ich hab´ einen Burkini

Liebe Burkini-Trägerinnen! Ich bin mir nicht sicher, wie sinnvoll dieser islamische Ganzkörperanzug tatsächlich ist. Ich stelle einen Widerspruch fest: Der Burkini bedeckt den eigenen Körper ganz nach islamischen Vorschriften. Man befindet sich also als einzige “vorschriftlich” bedeckte Frau inmitten einer Menschenmenge in Bikini und Badehose. Man selbst ist komplett halal eingekleidet, doch die anderen sind es eben nicht. Wohin mit den eigenen Blicken, wenn der 1,90 Meter große Typ mit dem Sixpack an einem vorbeigeht? Senkt man da die Blicke oder darf man die anderen halbnackten Menschen betrachten, wo man doch selbst eingehüllt ist und damit auch eine Botschafterin eines vorschriftlichen Islams ist? Die Frage stellt sich, wie sehr man in anderen Glaubensfragen abfällt, wenn man trotz vorschriftlicher Badekleidung schwimmen geht und, welche Prioritäten man zwangsläufig setzen muss.

Zamreißen heißt`s

Ein ganz klares Nein heißt es bei vielen gläubigen Muslimen, die sich im Sommer lieber zurückziehen und das Plantschen den Mutigeren überlassen. Schwimmbäder kommen da gar nicht in Frage! Bei vielen muslimischen Familien findet deshalb der Sommerurlaub dort statt, wo es Geschlechter getrennte Strände gibt. Frauen hier und Männer drüben. Der klare Vorteil: Frauen und Männer können unbekümmert das Wasser und die Sonne genießen und sich fast gänzlich sonnen lassen. Ob solche Urlaube jedes Jahr finanzierbar sind, ist die andere Frage, zumal es solche Strände nicht überall gibt.

Ich bin ein Mann

Ja, und? Nicht nur für Frauen gelten gewisse Vorschriften in Bezug auf Bekleidung. Auch Männer haben Richtlinien zu befolgen. Sowohl bei Frauen als auch bei Männern beziehen sich die Kleidungsvorschriften auf die ´aura des Menschen. Beim Mann erstreckt sich die `aura demnach vom Bauchnabel bis zu den Knien, da die Oberschenkel und der Bauchnabel zu bedecken sind. Die ´aura der Frau erstreckt sich über mehrere Körperteile und somit ist sie ausgenommen von Gesicht, Händen und Füßen gänzlich verschleiert. Weiters ist aus Hadithen des Propheten zu entnehmen, dass sowohl Mann als auch Frau die `aura des anderen Geschlechts nicht betrachten dürfen.
All das würde bedeuten, dass das Schwimmen mit vorschriftlicher Bekleidung trotzdem als Verbot eingestuft werden kann, wenn man dabei die ´Aura der anderen Badegäste sieht. Dies gilt sowohl für Frauen als auch für Männer.

Die einen kümmert es nicht, die anderen halten sich fern von Schwimmbädern und der ´aura anderer Menschen. Jedem das Seine. Doch sollte man überlegen, wie sinnvoll die Einhaltung einer Vorschrift ist, wenn man dabei eine andere verletzt. Eventuell könnte man sich auf eigene Prinzipien und Moralvorstellungen zurückbesinnen und in Bezug auf das Thema Kleidung eigenständig reflektieren.

 

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