Das schöne an Bar ist: Jeder ist willkommen. Das gilt insbesondere für das Freitagsgebet in der Moschee Selimija.

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Viele Muslime aus den umliegenden Ortschaften und Städten verschlägt es jeden Freitag in diese Moschee. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass Selimija die neueste und größte Moschee im “Bezirk” Bar ist und die Menschen deshalb gerne hier beten. Andererseits bietet das Restaurant im Innenhof des Zentrums die perfekte Möglichkeit, nach dem Gebet etwas trinken und essen zu gehen. Dabei spielen die niedrigen Preise keine mindere Rolle, denn die Menschen verdienen hierzulande nicht gerade viel – das Durchschnittsgehalt der Montenegriner beträgt 250€!
Was mich aber immer wieder aufs Neue überrascht, ist der Anteil der ausländischen Moschee-Besucher. Gerade jetzt in der Sommersaison gibt es auffällig viele Muslime aus dem Ausland, die so wie ich und Azra in Bar Urlaub machen oder Menschen, die in einer anderen Stadt urlauben, in der es jedoch keine Moschee gibt. Es gibt aber auch Menschen, die geschäftlich in Montenegro sind und von dieser Moschee gehört haben, wie z.B. zwei junge Männer aus Dubai, die ich nach dem Gebet im Innenhof kennenlernen durfte. Sie erzählten mir von einer Geschäftsidee, die sie gerne in Montenegro realisieren würden. Sie waren richtige Geschäftsmänner, da sie mir nicht konkret sagten, um was es geht. Lediglich erwähnten sie, dass ihre Geschäftsidee auf die Muslime innerhalb Montenegros ziele. Sie wollen sozusagen in die muslimische Community in Montenegro investieren. Sie luden mich freundlicherweise zum “lunch” ein, aber ich lehnte ebenso freundlich ab, da ich mich auf die cevapcici daheim schon freute.
Ich traf auch Bekannte aus Wien. Sie sind Bosniaken, die gerade in Ulcinj Urlaub machen. Ulcinj ist die letzte Stadt vor der Grenze zu Albanien und ist mittlerweile zweisprachig, weil es hier einen großen Bevölkerungsanteil an Albanern gibt. Die Imame in den Moscheen in Ulcinj predigen größtenteils auf Albanisch.

Moschee in Ulcinj am kleinen Strand "mala plaža"

Moschee in Ulcinj am kleinen Strand “mala plaža”

Deshalb bietet Selimija eine ausgezeichnete Alternative für die bosniakischen Touristen in Ulcinj. Übrigens gibt es in Ulcinj einen 12 Kilometer langen Strand, wo es mitunter auch eigene Strandteile gibt, die nur für Frauen vorgesehen sind. Das ist das perfekte Reiseziel für Frauen mit Hijab.
Nochmal zurück zum Freitagsgebet. Ich habe verstanden, dass dieses wöchentliche gemeinsame Gebet einen wesentlichen Beitrag zum Gemeinschaftsleben leistet. Das Freitagsgebet ist eine Art Treffen, bei dem es darum geht durch das gemeinsame Gebet und das anschließende Begrüßen, Kennenlernen und vielleicht auch gemeinsame “lunchen” ein Wir-Gefühl zu entwickeln. Dabei geht dieses Gruppengefühl über Kulturen und Sprachen hinweg.

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