Geschichten über T-Shirts, die man verkehrt rumträgt, Milch, die man vor die Haustür verschüttet und Menschen, die uns das Böse wünschen. Was steck hinter diesem bösen Auge?

Al Aiyn oder das böse Auge ist ein Mysterium und weit verbreitet in der arabischen Welt. Viele Menschen glauben an diesen Aberglauben. Es fängt alles mit dem neuen Porsche an, den du dir gekauft hast. Und als du gerade dabei warst, deine Freude mit den anderen zu teilen, trifft es dich wie ein Blitz. Jene, die geschützt sind, werden nicht getroffen, aber die, die ungeschützt sind, erleben das böse Auge hautnah.

Zu oft gönnen wir einander vieles nicht. Wir werden sauer, wenn wir den Erfolg anderer sehen und platzen beinahe vor Neid. Genau das ist „Al Aiyn“. Es gibt nette Blicke und es gibt Neider-Blicke. Und denen wollen wir aus dem Weg gehen und im besten Fall vorbeugen. Verbreitet ist das Phänomen des bösen Auges übrigens in meinem Heimatland Ägypten sehr. Hier wird geschützt, was das Zeug hält. Dieser Schutz wird auf verschiedenste Weisen gewährleistet. Neugeborenen zieht man die Kleidung verkehrt herum an, frisch verheirateten schüttet man Milch und Eier vor die Haustür und der Maturant mit sehr gutem Erfolg wird mit Salz bestreut. Die Zahl fünf spielt hier auch eine große Rolle. Meine Tante antwortet immer mit „fünf“, wenn sie bemerkt, dass das eine neidische Frage war. Dabei streckt sie ihre Hand in dein Gesicht und zeigt dir ihre Handfläche. Klingt verrückt, passiert aber und keiner hat nur eine Idee, warum genau die Zahl fünf oder die Handfläche ins Gesicht irgendetwas bewirken sollte.

Viele Tricks haben sich die Ägypter einfallen lassen, aber ich bin mir sicher, dass es in anderen Ländern viel verrücktere Ideen gibt, die verhindern sollen, dass Menschen vom bösen Auge getroffen werden. Ob es etwas bringt, ist mir noch ein Rätsel, dennoch glaube ich an Neider und daran, dass ihr neidischer Blick nichts Gutes für mich bedeutet. Ob ich meinen Kindern jemals die Kleidung verkehrt herum anziehe, ist aber noch offen..