Am 5.12.16 organisierte der Wiener Cartellverband (WCV) im Sitzungssaal des Alten Wiener Rathauses ein Symposium mit der Frage: Gehört der Islam zu Österreich?
Am Podium saßen LAbg. Dr. Gudrun Kugler, Mag. Ewald Stadler, Univ.-Prof. Dr. Ednan Aslan, NRAbg. Mag. Niko Alm und Carla Amina Baghajati.

Der Islam in Österreich mit ca. 600.000 MuslimInnen sei ein Faktum, sagte LAbg. Dr. Gudrun Kugler zu Beginn der Podiumsdiskussion. Die Frage, ob der Islam zu Österreich gehöre, wurde folglich von ihr als auch von den anderen Teilnehmern unterschiedlich beantwortet, oft begleitet von Bedingungen. Eine ganz klares “Nein” gab es von Ex-FPÖ- und -BZÖ-Nationalratsabgeordneten Mag. Ewald Stadler, der dies damit begründete, dass der Islam zuerst “mit dem österreichischen Gesetz kompatibel werden muss”, um ihn als solchen akzeptieren zu können. Es sei alarmierend, dass die Radikalisierung und der Islamismus in den letzten Jahrzehnten so massiv zunahm, erweckte Stadler förmlich die Ängste des Publikums. Viele Fragen in Bezug auf zunehmende Radikalisierung seien zu klären, denn ein beträchtlicher Prozentsatz muslimischer Jugendlicher sei von Radikalisierung gefährdet, meinte Kugler. Dabei bezog sie sich auf die Studie in den Wiener Jugendzentren, so dass diese Tendenzen nicht zu ignorieren seien, weil sie in den letzten Jahren stark zugenommen hätten, wie auch Stadler festhielt.

Prof. Ednan Aslan (Institut für Islamische Studien) und Carla Amina Baghajati (Frauenbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft) sind sich der vorherrschenden Probleme innerhalb unserer Gesellschaft sehr wohl bewusst, jedoch erwarten sie sich eine gemeinsame Herangehensweise an die Probleme. Selbstkritisch und entschieden erklärte Prof. Aslan zunächst, dass ein salafistisch oder wahabitisch geprägter Islam, der vom Ausland gesteuert werde, nichts in Österreich verloren hätte und somit die erste Antwort als Nein zu verstehen war. Vor diesem Hintergrund mahnte er vor der Gefahr, die MuslimInnen als eine homogene Gruppe anzusehen, weil sie eben keine Einheit bilden sondern vielfältigst ihr Leben und ihre Religion leben und praktizieren. In Bezug auf das genannte Faktum und die vorherrschende Organisation muslimischer Vereine betonte er die Wichtigkeit eines Islams europäischer Prägung. “Der Islam ist dann europafähig, wenn er nicht mehr als fremd wahrgenommen wird.” Dafür müssten sich die Muslime selbst einsetzen und selbst entscheiden, “welches Gesicht sie dem Islam geben wollen”, so Aslan. Auch Carla Baghajati erkannte die Gefahr und äußerte sie dahingehend, dass es auch in der IGGÖ “schwarze Schafe” gebe, die  Anzahl derer jedoch sehr gering wäre und die überwiegende Mehrheit der MuslimInnen gute BürgerInnen seien. Sie antwortete auf die gestellte Frage zu Beginn mit ihren äußerst positiven Erfahrungen mit muslimischen Schulkinder, die sehr gut integriert wären. Im Laufe der Diskussion wurde sie aufgrund des Eindrucks der “Schönrederei” stark kritisiert, weil sie wohl auf die konkreten Probleme zu wenig eingegangen ist. All den Positionen stand der NR-Abgeordnete Niko Alm skeptisch gegenüber, der klar für ein laizistisches System eintrat und darauf hinwies, dass absolute Religionsfreiheit und Gleichheit aller Menschen, ob gläubig oder ungläubig, nur dann erzielt werden könne, wenn es keine Gesetze für Religionen und Religionsgemeinschaften gäbe.

Die Reaktionen des Publikums waren überraschend positiv und spiegelten durchaus eine differenzierte Wahrnehmung des Islams in Österreich. Sowohl von den vielen CV-Mitglieder, die großteils den historischen Bezug zum Thema hervorhoben, als auch von den Muslimen, die etwa ihre Zufriedenheit in Österreich, die grundsätzlich friedliche Einstellung im Islam oder die Notwendigkeit von religiöser Bildung äußerten. Die letzte Publikumsmeldung verwies auf bereits laufende Projekte, wie etwa “Citizenship Education and Islam“, das die Probleme erkennt und Lösungen in Form von Schulunterricht anbietet 🙂

Hier ein direkter Link zu der gesamten Live-Diskussion aus dem Alten Rathaus!
Hier ein ORF-Beitrag vom 7.12.16!

 

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