In Bezug auf die erst kürzlich entstandene Debatte zum Thema Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst hat Prof. Ednan Aslan ein Interview mit CEAI geführt und vertritt eine klare Position: Eine Debatte über den Status der Religion ist notwendig, aber “das Kopftuch ins Zentrum der eigentlichen Debatte zu rücken, ist keine gute Überlegung!” Diesbezüglich hat Nadire Mustafi, Mitglied der Albanischen Kultusgemeinde, eine Stellungnahme verfasst, in der sie ein klares Signal setzt: Integration durch Exklusion ist nicht möglich.

Über Integration zu sprechen und gleichzeitig Menschen aufgrund eines bestimmten Identifikationsmerkmales auszuschließen, scheint mehr als nur paradox zu sein. BM Kurz möchte dem Vorschlag des Vizerektors der Universität Wien, Heinz Faßmann nachgehen, ein Kopftuch-Verbot im öffentlichen Dienst im Integrationspaket zu inkludieren.

Dipl.-Päd. Nadire Mustafi, MA ist hauptberuflich islamische Religionslehrerin in den Allgemein Höheren Schulen und ist Dozentin für Sonderpädagogik und Inklusive Pädagogik an der LehrerInnenbildung (IRPA/KPH) in Wien.
Sie ist Mitglied des Obersten Rates der IGGiÖ und Frauenreferentin der IRG-St.Pölten sowie der Albanischen Kultusgemeinde.

Gerade, weil Integration ein wichtiges Thema ist, darf diese Debatte nicht polarisierend und auf dem Rücken einer bestimmten Gruppe der Bevölkerung geführt werden.

Integration betrifft alle Teile der Bevölkerung im gleichen Maße, unabhängig davon welcher Religion, ethnischen Zugehörigkeit, Geschlecht etc… man angehört oder aber, ob man der Mehrheitsgesellschaft oder als Minderheit innerhalb der Mehrheitsgesellschaft als Teil dieser lebt.

Selbstverständlich müssen Schwierigkeiten angesprochen werden und gemeinsam muss an Lösungsvorschlägen gearbeitet werden. Allerdings muss man vorerst fachkundig eruieren, wo die Schwierigkeiten im Integrationsprozess liegen, bevor man pauschal ein Verbot formuliert, weil man sich dadurch viel eher einen politischen Erfolg verspricht. Muslime bestreiten nicht, dass Verbesserungsmöglichkeiten im Integrationsprozess möglich sind, allerdings sind hiervon zu integrierende Muslime wie Nichtmuslime betroffen, weil es hierbei oftmals um soziale Probleme oder um politische Versäumnisse in der Migrationspolitik geht und Integration keine Glaubensfrage” ist.

Daher wollen wir als albanische Kultusgemeinde, als eine muslimische Organisation, nicht aus der rechtfertigenden Ecke heraus RE-agieren, sondern verlangen von den Verantwortlichen der Politik Integration als solche zu behandeln, was sie ist- eine Querschnittsmaterie und ein Prozess der über jegliche religiösen Grenzen hin zu betrachten ist!

Anstatt also die Integrationsdebatte auf dem Rücken muslimischer Frauen abzuhandeln, könnte man beispielsweise gemeinsam mit Betroffenen an Strategien arbeiten, wie man etwa das Bewusstsein hinsichtlich der Gleichwertigkeit zwischen den Geschlechtern allgemein hebt, unabhängig davon, ob es um Muslime oder Nichtmuslime geht. Denn heute noch verdienen Frauen in Österreich um einiges weniger als Männer, bei gleicher Qualifikation.

Stellt man sich also die Frage, wohin wir ÖsterreicherInnen wandern, wenn wir im Trend der Populisten die Gesellschaft spalten, sollte man eine gesellschaftliche Verantwortung erkennen, niemanden aufgrund des Glaubens oder Geschlechts zu exkludieren, sondern vielmehr gerade für Frauen Rahmenbedingungen zu schaffen, um ihnen Arbeitswelt und Familie, Arbeitswelt und Weltanschauung usw. zu ermöglichen. Gerade Verantwortliche, die hohe Ämter in der Politik bekleiden, müssen sich dieser Verantwortung in der Gegenwart besinnen und daher mit bestem Beispiel vorangehen.

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