Am Samstag, den 27. Mai 2017, beginnt laut errechnetem Mondkalender der erste Fastentag des diesjährigen Ramadans. Ausnahmsweise einheitlich in der gesamten muslimischen Welt.

Die unsichtbare Neumondphase tritt für Mitteleuropa gegen 20:44 Uhr Donnerstagnacht ein. Heute, Freitag Abend zum Sonnenuntergang, sollte die noch ganz junge Mondsichel mit bloßem Auge überall auf der Welt gut sichtbar sein, um den ersten Ramadantag zu bestimmen. Dann beträgt das Mondalter schon über 24 Stunden und die Sichel wird deutlich zu sehen sein. Schwierig wird es bei einem Mondalter von 14 Stunden, denn da liegt auch schon der Rekordsichtbarkeitswert. Doch dieses Jahr gestaltet sich die Mondsichtung so praktisch wie noch nie – überall auf der ganzen Welt! Das verspricht endlich einmal einen einheitlichen Beginn des Fastenmonats in der islamischen Welt und keiner kann bei so günstiger Mondstellung den Ramadan früher oder später ausrufen, unmöglich. Wer hier danebenliegen wird, hat ganz offenkundig falsch gehandelt.

Wer in sehr nördlichen Ländern das muslimische Fasten begeht, wird oft mit den sehr späten Sonnenuntergängen zu kämpfen haben und in manchen Regionen geht die Sonne gar nicht unter. Stichwort Mittsommernachtszeit. Mekka, dem Mutter- und Offenbarungsland des Islam, hat hingegen sehr einheitliche, kaum schwankende Fastenzeiten, weil es nicht so weit vom Äquator entfernt ist, wo die Sonne das ganze Jahr hindurch um 6 Uhr auf- und um 18 Uhr untergeht. Auf dem Breitengrad Mekkas findet das kaum später statt, immer so zwischen 18 und 19 Uhr plus örtlicher Zeitverschiebung. Je nördlicher man also wohnt, desto später die Sonnenuntergänge in der Sommerzeit und umso größer die Unterschiede in den Jahreszeiten.

Wie viele Stunden fasten die Muslime?

Der Koran berücksichtigt bei den zeitlichen Rahmenbedingungen des Fastens die Lage der Muslime in Mekka. Ganz offensichtlich wird im Koran auf die Lage der Muslime in Norwegen oder in Island oder anderen nördlichen Breitengraden nicht eingegangen. Das ist den Gläubigen überlassen, wie sie ihre Situation den Bedingungen des Lands anpassen können.

Um den muslimischen Menschen weltweit das Fasten zu erleichtern und ihnen das schlechte Gewissen vor Gott zu nehmen, sollten sich Muslime oder deren Autoritäten hier ernsthafte Gedanken machen. Es macht einen großen Unterschied, ob jemand in Mekka immer schon zwischen 18 und 19 Uhr (keine Sommerzeithinzufügung) oder in nördlicheren Ländern erst kurz vor 22 Uhr (plus künstlicher Sommerzeithinzufügung) das Fasten brechen darf.

Das Fasten im Ramadan als solches ist ein „reloading“, wie man heute so schön im Englischen sagt, ein absoluter Ausnahmezustand. Denn wie wir alle wissen, muss der Muslim oder die Muslima im Ramadan umdenken, da der Alltag ganz entgegen seiner Gewohnheiten verläuft. Das erfordert Disziplin und erweckt eine ganz andere Aufmerksamkeit dem eigenen Sein als auch der Umwelt gegenüber. Jeder wird da seine eigenen Erfahrungen machen. Einzig und allein einer “Diätvorstellung” dient der Ramadan nicht. Er gehört Gott allein, heißt es! Fasten im Islam ist eine rein spirituelle Handlung, die den Geist und den Glauben sensibilisieren soll. Ob er von gesundheitlichem Nutzen ist, spielt nur nebensächlich eine Rolle. Das wird leider oft verwechselt.

Fasten der SchülerInnen

Im Ramadan werden die muslimischen Kinder mit besonderen Herausforderungen konfrontiert, die für einige sehr problematisch sein können, obwohl die Kinder nicht fasten müssen. Doch die familiäre, soziale und ganz besonders die Atmosphäre des Ramadans motivieren die Kinder zum Fasten. Wenn die Kinder durch das Fasten inmitten der Schulzeit überfordert sind, kommt den Eltern eine sehr rücksichtsvolle Aufgabe zu, ihre Kinder schonend in die Fastenzeit einzuführen und vielleicht nur das Wochenende dafür zu nutzen. Sie sollten den Kindern kein schlechtes Gewissen einreden oder gar zwanghaften Druck ausüben. Einem Druck, dem das Kind möglicherweise nicht standhalten kann, und die Gefahr besteht, dass es ein heimliches Doppelleben führt.

Gott erwartet von keiner Seele etwas, was sie nicht leisten kann. Die Gnade des Monats Ramadan nur auf das Fasten zu reduzieren ist ein falsches Verständnis vom Ramadan. Die Kinder haben viele Möglichkeiten durch ihre Wohltaten auch ohne Fasten mit Freuden ihren Ramadan zu verbringen und die besondere Atmosphäre zu erleben.

Die LehrerInnen sollten die muslimischen Kindern diesbezüglich behutsam beraten und mit muslimischen Einrichtungen, die die besondere Lage der SchülerInnen kennen, kooperieren.

Das Institut für Islamisch-theologische Studien bietet sich gern den Schulen bei solchen Fragen an.

Trotz all den genannten Problemen wünschen wir denen, die Fasten, einen erfolgreichen und vor allem segensreichen Monat, ein echtes „reloading“ oder Umprogrammieren, um die Viren schlechter Gewohnheiten aus dem Programm zu bekommen. Das Wort Ramadan ist auf “ramda” zurückzuführen, was soviel wie Brennen heißt. Wenn ein wenig Hunger den Magen ausbrennt, schätzt der Mensch in der Fülle des Daseins wieder die kleinen Dinge, die ihn mit Dankbarkeit und Demut erfüllen. In dieser Haltung ist der Mensch Gott sehr nahe. Darin liegt der Segen des Ramadans.

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