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Freiheit – weil ich es so sage

Liebe Welt,

Manchmal bekomme ich Aussagen wie: „Gehen deine Gebete und guten Taten überhaupt in Erfüllung? .. weil du ja kein Kopftuch trägst.“ oder „Du bist zwar gläubig, betest 5 mal am Tag und so, aber du trägst kein Kopftuch.“ zu hören.

Meistens bin ich ganz verwirrt und denke mir nur, ob das ernstgemeinte Fragen sind. Solche Menschen versuchen in mir ein Gefühl der Scham zu wecken, weil ich angeblich nicht so bin, wie ich sein sollte. Sie nehmen mich und meine Beziehung zu Gott überhaupt nicht ernst, denn hey, kann man ohne ein Kopftuch überhaupt eine Beziehung zu Gott haben?

Dann gibt es natürlich auch die andere Seite, die mich für zu konservativ hält und nicht verstehen möchte, dass meine Handlungen von meinem eigenen Willen ausgehen:

„Erlaubt dir dein Mann nicht in Clubs zu gehen?“

Oder „Dein Vater lässt dich sicher nicht das anziehen was du möchtest“, sind Aussagen, die ich mir dann von Kolleg*Innen, Freund*Innen und dergleichen anhören darf.

Auf der einen Seite sind es die muslimischen Leute und auf der anderen Seite die „westlichen“ oder „modernen“ Leute. Einen Unterschied zwischen diesen beiden Seiten gibt es aus meiner Sicht kaum, denn ich fühle mich von beiden Seiten nicht akzeptiert, nicht verstanden und unter Druck gesetzt. Beide „Seiten“ glauben besser zu wissen was richtig und gut für mich ist und wie ich mein Leben zu führen habe.

Ich glaube für die „Modernen“ bin ich erst dann ein freier Mensch, wenn ich nackt herumlaufe und mich Tag und Nacht besaufe – das ist ja die Freiheit in ihren Augen.

Und für die muslimische Gemeinde bräuchte ich tatsächlich nur ein Kopftuch – und auch wenn ich sonst nichts praktizieren würde – das Kopftuch würde mich zu einem Engel in ihren Augen machen.

Das klingt zwar beim ersten Mal lustig und übertrieben, aber ich habe diese Erfahrungen gemacht.  

Warum muss ich mich als muslimische Frau rechtfertigen für die Entscheidungen die ich treffe, wenn ich sie mit mir vereinbaren kann?

Die muslimische Gemeinde muss lernen, dass es Frauen ohne Kopftuch gibt, die sich genauso muslimisch, mit Gott verbunden und spirituell fühlen. Genauso wie die „modernen“ Leute lernen müssen, dass wenn sie eine muslimische Frau ohne Kopftuch sehen, dies keine „lockere“ Muslima ist, die es nicht so ernst meint mit dem Glauben.

Beide Ansichten gehen wieder in die gleiche Richtung. Es gibt dieses eine Bild der Muslima, der „richtigen“ Muslima, und alles andere ist eben nicht das Original. Damit reduzieren wir die muslimische Frau auf ein Stück Stoff, als ob alles, was eine Muslima ausmacht, ein Kopftuch ist.

Ich möchte endlich, dass die Menschen nicht in ihren eigenen Blasen bleiben und alles nur aus ihrer eigenen Brille sehen. Muslimische Frauen sind verschieden. Verschieden, aber Gleichwertig und gleich legitim.

Liebe Welt da draußen: Es gibt muslimische Frauen mit Kopftuch. Es gibt muslimische Frauen mit Turban. Es gibt muslimische Frauen ohne Kopftuch. Was sie vereint ist eines: sie sehen und empfinden sich als muslimische Frau. Et voilà, das ist auch schon der ganze Zauber. Daher liebe Welt, muslimische Frauen brauchen nicht euren Zertifikationsstempel. Alles was ihr sollt ist zu nehmen wie sie ist und zu respektieren.

In Liebe, eine von den vielen muslimischen Frauen

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