Bildung ist das, was man bereits im Kreise der Familie vermittelt bekommt und für den eigenen schulischen Werdegang schlichtweg benötigt.

Überall dort, wo Bildung nicht früh genug angesetzt und gefordert wird, entstehen Bildungslücken. Den aktuellsten Werten der OECD zufolge weisen in Österreich vor allem Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund mangelnde Bildung auf. Insbesondere Kinder und Jugendliche, deren Eltern aus der Türkei oder anderen muslimischen Ländern stammen, haben mit deutlich schlechteren schulischen Leistungen zu kämpfen als jene ohne Migrationshintergrund.

Allmählich hat sich in Österreich ein gesellschaftliches Gesamtbild entwickelt, das besagt: Bildungsdefizit bei Muslimen und Musliminnen.

Man könnte meinen und verallgemeinert feststellen, dass die mangelnde Bildung zurückzuführen ist auf die Religionszugehörigkeit der Betroffenen. Doch tatsächlich sind derartige Bildungsrückstände unterschiedlich zu erklären.

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Die Familie als wichtigster Bildungsträger

“Nächste Woche ist Elternabend, kommt ihr?” Früher oder später hört jeder Elternteil einmal diesen Satz von seinem Kind. Sehr früh bekommen muslimische Kinder dann auch eine klare Antwort zu hören: “Das ist doch unnötig.” Ein kurzes Gespräch, das aber in muslimischen Haushalten bittere Realität ist.

In den meisten muslimischen Familien haben schulische Veranstaltungen, Lehrergespräche, Elternabende, etc. kaum bis gar Bildung ist nicht das, was man in der Schule vermittelt bekommt. Es beginnt schon vor dem Schuleintritt beim Vorlesen von Kindergeschichten, bei der frühen Förderung von Sprach- und Schriftentwicklung. Auch bei der Unterstützung bei Hausübungen. keine Wichtigkeit. Gerade muslimische Väter sind nur in den seltensten Fällen in das Schulleben der eigenen Kinder involviert und zeigen demnach kaum Interesse für die schulischen Belange der Kinder. Obwohl Lehrer den Kontakt mit den muslimischen Eltern suchen und diesen für essentiell erachten, sind die meisten Eltern davon abgeneigt, mit den Lehrern zusammenzuarbeiten und mehr Engagement zu zeigen. Doch gerade die Zusammenarbeit und das Gespräch zwischen Lehrerinnen und muslimischen Eltern könnte einen wertvollen Beitrag zur Leistungssteigerung der Kinder leisten.

Das Bildungssystem sieht die Rolle und den Einbezug der Eltern als klaren Vorteil für die Bildungsförderung von Kindern und Jugendlichen, denn gerade die Familie dient als Erfahrungsraum, der eine frühe Förderung von Sprache und Schrift aber auch die Vermittlung von sozio-kulturellen Werten vorsieht.

Oft wird von muslimischen Kindern gesprochen, die sich integrieren müssen, um so den schulischen Anforderungen gerecht werden zu können. Doch selten ist die Rede von den Eltern, die so viele Anforderungen an das eigene Kind stellen und die Bildung als “Lehrer-Sache” betrachten, jedoch selbst keinen Bildungshintergrund vorweisen können und einen Integrationsprozess nur im entferntesten Sinne in Betracht ziehen würden. Was bei so wenig Eigeninitiative bleibt, sind Kinder ohne jeglichen Rückhalt der Eltern.

Geschlechterverteilung als Einflussfaktor

Muslimische Familien vermitteln oft sehr früh geschlechtsspezifische Rollen, nach denen sich Kinder orientieren. Gerade bei türkischen Kindern und Jugendlichen spiegelt sich dieses Rollenbewusstsein auf die schulischen Leistungen wieder. Ein junges türkisches Mädchen ist eher darauf bedacht, den moralischen und traditionellen Werten der Familie und der Kultur gerecht zu werden, als in einem “fremden” Bildungssystem Erfolge zu erzielen. Hingegen wird auf die Bildung der Buben eher Wert gelegt und dementsprechend auch mehr Unterstützung geboten.

Potenzial ausschöpfen

Es bleiben Bilder, Klischees und Stereotypen zurück, die bestätigen, wie sehr es muslimischen Kindern und Jugendlichen an Bildung fehlt. Doch das Potenzial ist da, nur muss es effizienter ausgeschöpft werden. Eltern müssen sich mehr in schulische Belange der Kinder einbringen und die Initiative ergreifen, um Halt und Unterstützung zu bieten. Da würde es vielleicht schon nützen, aus einem deutschen Kinderbuch vorzulesen. Tatsächlich ist die Bildungsaspiration vieler muslimischer Eltern sehr groß: Ihre Kinder sollen vom Bildungssystem in Österreich profitieren und eine bessere Ausbildung als die eigene genießen, um letztendlich gute Berufsaussichten haben zu können.

weiterführende Links: Elternarbeit
Türken mit schlechteren Schulleistungen