„Ich finde die Weihnachtszeit so schön, obwohl ich es nicht feiere.“
„Mich interessiert das alles überhaupt nicht.“
„Ich bin Muslim, so etwas feiern wir nicht, ist Haram.“

Es ist die besinnlichste Zeit im Jahr. Weihnachten steht vor der Tür. Auf den Adventmärkten stehen Menschen Schlange für eine Tasse heißgeliebten Punsch, in den Geschäften leeren sich langsam die Geldbörsen und zuhause wird fleißig an Deko gebastelt. An Chaos und immer währenden Zeitdruck mangelt es nicht. Doch auch für den Spätsünder gibt es noch ein wenig Zeit, um sich auf den besinnlichsten Tag im Jahr vorzubereiten.
Da könnte man meinen, dass es so manch andere Religionen einfacher mit der Besinnlichkeit haben oder zumindest davon verschont sind. Denn was machen eigentlich die Muslime hierzulande zu Weihnachten?

Innerhalb der muslimischen Community ist alles zu hören. Wenn es um Weihnachten geht, spalten sich die Meinungen. Darf man als MuslimIn mitfeiern? Immerhin ist Weihnachten kein islamischer Feiertag und entspricht in seiner religiösen Bedeutung nicht den Glaubensgrundsätzen des Islams. Stimmt. MuslimIn oder nicht, trotzdem ist es schwierig, sich vollkommen vom Weihnachtstrubel fernzuhalten oder nicht daran teilzuhaben, wo es doch überall weihnachtet und man immer auch ein Stück weit dabei ist beim Fest der Besinnlichkeit.

Es beginnt schon von klein auf im Kindergarten, wenn es heißt „Kling Glöckchen,…“. Zur Weihnachtszeit werden Lieder gesungen und den sowohl muslimischen, als auch nichtmuslimischen Kindern werden Weihnachtsgeschichten erzählt. Wenn dann die ErzieherInnen als die heiligen drei Könige verkleidet einen Besuch abstatten, freuen sich selbst die kleinsten darüber. Auch die wenigsten muslimischen Eltern sträuben sich gegen diese Art von Erziehung im Kindergarten, weil sie ihren Kindern sehr wohl den Unterschied zwischen ihrer Religion und der christlichen erklären können und sie gerade deshalb auch darauf bestehen, dass ihr Kind die andere Religion auf diese Weise kennenlernt. Andererseits gibt es natürlich auch muslimische Eltern, die den Weihnachtstrubel im Kindergarten oder in der Schule weniger gutheißen. So werden Weihnachtsspiele wie „Engerl Bengerl“ nicht selten als aufzwingend empfunden, weil die muslimischen Schüler mitmachen ohne wirklich gefragt zu werden, ob sie dies auch möchten. Das Spiel selbst ist als soziales Spiel gedacht, bei welchem sich Schüler und Schülerinnen mit kleinen Geschenken eine Freude machen. Dennoch stört es den einen oder anderen muslimischen Elternteil, weil es eben nichts mit ihrer Religion zu tun hat und die Kinder mitmachen „müssen“. Nun lässt sich darüber streiten, ob derartige Spiele oder das Singen von Weihnachtsliedern muslimischen Kindern aufgezwungen werden oder es sich um harmlose Praktiken handelt, die den Namen „Weihnachten“ tragen.

Für viele Muslime besteht kein Problem darin, daran teilzuhaben und sich in gewisser Weise am momentanen Geschehen zu erfreuen, ohne dabei den religiösen Aspekt miteinzubeziehen. Da kann es schon vorkommen, dass man als MuslimIn auf einen Punsch geht, bei der Weihnachtsfeiert der Firma dabei ist, dem besten Freund ein gesegnetes Fest wünscht oder die Weihnachtskekse des Nachbarn gerne kostet. Und mal ehrlich, ob man MuslimIn ist oder nicht, ist dabei meist nur Nebensache. Oder fragt die Punsch-Dame etwa zuerst, ob man Weihnachten überhaupt feiert, bevor sie den Punsch ausschenkt und verkauft?
Dass es ein Muslim ist, der gerade einen Punsch trinkt oder eine Muslima, die sich vor den riesigen Engelflügel schnell ablichten lässt, um es dann auf Facebook zu posten, weil es einfach cool aussieht, ist keine Seltenheit und wird auch als normal angesehen. Es wird entweder „gelikt“ oder mit einem Kommentar versehen, weil es irgendwie jeder gerade macht. Es weihnachtet überall und jeder ist mit dabei beim größten Fest der Besinnlichkeit.

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