Photo by Kristina Litvjak

Das Fest der Liebe steht vor der Tür. Eine beträchtliche Ladung an Glückshormonen ist im Anmarsch. Wohin man guckt, stechen einem Herzen, Pralinen und Rosen ins Auge.

Während ich wie gewohnt an meinem Arbeitsplatz saß und durch das Fenster in verträumter Manier in die Ferne schaute, hörte ich auf einmal eine Stimme in mir, welche mich wachrüttelte:

„Möge Allah dir vergeben, wie kannst du bloß über das Fest der Ungläubigen in einem derart positiven Kontext nachdenken?“ „Hast du etwa den Hadith des Propheten nicht zu Ohren bekommen, in welchem es sinngemäß bedeutet, ein Volk gehöre denjenigen an, denen er (in ihren Festen) nachahmt?“ Augenblicklich veränderte sich mein Gefühlszustand, ich fühlte mich in meiner Euphorie gebremst und niedergeschlagen. Aber nein! Ich beschloss, ein Dialog mit meinem fiktiven Freund, der tief in meinem Inneren sitzt, zu führen, vielleicht gelingt es mir ja, ihn ein wenig unvoreingenommen und reflektierend in Hinblick auf das Verurteilen, zu polen. Ich nahm einen Stift und ein Blatt in die Hand und begann ihm zu schreiben. Lieber orthodoxer Freund:

Ich möchte mich hiermit für deinen Impuls bedanken. In meinem Text wird es nicht um den historischen Hintergrund des Festes gehen, denn diesen kannst du leicht „googeln“. Auch werde ich die Debatte aus der Dimension der islamischen Jurisprudenz, ergo ob es „haram“ oder „halal“ sei, sich zu diesem Anlass zu beschenken, nicht anreißen. Ich möchte dir bloß meine Hand reichen, um zumindest für wenige Augenblicke, hier mit mir ein wenig „out of the box“ Denken zu betreiben.

Gehen wir mal von dem elementaren Grundsatz aus, dass es nicht „den“ einen Islam gibt, vielmehr bietet der Islam viel Raum für Interpretation und weist eine hohe Flexibilität auf, denn er steht permanent im Einklang mit jedem Zeitalter und Ort. Wenn man so will, liegt der Islam unter der Prämisse, die unumstrittenen Gebote und Verbote Allahs einzuhalten, im Auge des jeweiligen Betrachters. Man kann also sagen, dass der Philosoph, Wissenschaftler, Sufi und Traditionalist seinen eigenen Zugang bezüglich des Verständnisses des Islams hat.

Mein Herzenswunsch mein lieber Freund ist jener, dass du beim nächsten Mal, während du mich inmitten deiner Aufgebrachtheit verurteilst, wie abtrünnig und irregehend ich bin, tief durchatmest und daran denkst, dass weder du noch ich die absolute Wahrheit für uns beansprucht haben. Stattdessen können wir voneinander lernen, uns ergänzen und auf dezente Art wegweisen. In diesem Kontext wäre mein Tipp an dich, ein wenig mehr zwischen den Zeilen zu lesen, nachzudenken, zu reflektieren und die Dinge kritischer zu beäugen! Ich glaube nämlich nicht, dass wenn man sich zum Valentinstag in ehrlicher und anständiger Liebe beschenkt, etwas moralisch Verwerfliches tut. Denn nur, wenn wir die Liebe als unser ultimatives Instrument verwenden, können wir die Kluft zwischen uns schließen und gemeinsam in Harmonie und Frieden leben. Schließlich sagt der Prophet ja: „Beschenkt euch, damit ihr euch liebt“…

Share This